Der Kälte ausgeliefert
Als eine der wenigen romantischen Belcanto-Opern ist Bellinis «Sonnambula» nie ganz von den Spielplänen verschwunden und hat als Virtuosenfutter für Primadonnen überlebt. Erst Maria Callas hat die ja nur scheinbar harmlose Idyllik der nachtwandelnden Amina expressiv aufgebrochen. Aber es sollten nochmals weitere fünfzig Jahre vergehen, ehe es dem Regieduo Jossi Wieler/Sergio Morabito in seiner kongenialen Stuttgarter Inszenierung gelang, das von Bellini komponierte musikalische Drama bis in die feinsten Verästelungen der Psychologie hinein zu entziffern (siehe OW 3/2012).
An diese in jedem szenischen Detail, ja in jeder Körpergeste stimmige Aufführung, die dennoch die ganze Magie des Melancholikers Bellini bewahrte, durfte man in Frankfurt nicht im Entferntesten denken. Tina Lanik, die zum ersten Mal eine Oper inszenierte, hatte während der Proben eine Frühgeburt und musste die Arbeit zeitweilig unterbrechen. Das allein aber kann das Ausmaß der farblosen Regie nicht erklären. Szene, Regie und Musik liefen an diesem Abend beziehungslos nebeneinander her.
Herbert Murauer hatte eine abstrahierende, in ihrer Klarheit strenge, requisitenlose Einheitsszene entworfen, die von einer ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Uwe Schweikert
Zwei Extremisten am Werk, lustvoll hier, qualvoll dort. War es dasselbe Stück, Mozarts Oper aller Opern? In Berlin tobt Slapstick über die Bühne, in Brüssel überrollt ein Sexualalptraum das Publikum. Rabiat entgrenzt beide Versionen – Lichtjahre entfernt von jeder einfühlenden Aufführungstradition. Felsenstein, Konwitschny, Sellars, Chéreau, Brook – weggeschoben....
Glucks erste große Reformoper, in deren Zentrum der mythische Sänger Orpheus steht, kennt man in zwei Fassungen – der 1762 in Wien uraufgeführten italienischen Azione teatrale und der 1774 in Paris aus der Taufe gehobenen französischen Tragédie-opéra. Dass es noch eine dritte gibt, war bisher nur Spezialisten bekannt. Als Gluck 1769 den Auftrag annahm, für Parma im...
Frau Tomowa-Sintow, Sie waren eine außergewöhnlich vielseitige Sängerin. Gab es ein geheimes Zentrum?
Ja, das gab es. Meine allergrößte Liebe war Verdi. Verdi war der gesangliche Kompass in meinem Leben. Hier habe ich mein Legato gefunden, das meine Grundlage war und ohne das es für mich auch keinen Mozart gibt. Verdi war sogar für den Verismo meine Basis. Und für...
