Der braune Klang
Wer Musik unpolitisch nennt, hat meistens etwas zu verbergen. Wie könnte sich der Bürger auch der pólis entziehen? Vieles wurde unter den Teppich gekehrt, was die Wissenschaft wieder ans Licht bringen kann. Ein weites Betätigungsfeld für junge Forscher, das 1968 ff. schon einmal Konjunktur hatte und jetzt als Massenphänomen eine Renaissance erlebt. Der Hamburger von Bockel Verlag gehörte mit seiner in den frühen neunziger Jahren gestarteten Schriftenreihe zur Musik im NS-Staat zu den Trendsettern. Nun sind zwei weitere lesenswerte Bände erschienen.
Boris von Hakens Berliner Dissertation «Der ‹Reichsdramaturg›. Rainer Schlösser und die Musiktheater-Politik der NS-Zeit» dürfte vor allem für Wissenschaftler hilfreich sein. Von Haken arbeitet die verwirrende verwaltungsjuristische Entstehung einer seltsamen Institution der NS-Bühnenpolitik bis ins letzte Detail auf. Nach der Machtergreifung schienen alle ehrgeizigen Parteigenossen nach dem Motto «Auf die Plätze, fertig, los» loszustürmen, um fette Pfründen zu ergattern, indem sie irgendwelche Amtsstellen erfanden, die dann im erbitterten Gerangel gegen Konkurrenten verteidigt und legalisiert werden mussten. Rainer Schlösser, seit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Salzburger Festspiele haben im Mozartjahr 2006 alle 22 Mozart-Opern szenisch präsentiert. Alle Produktionen sind inzwischen auch als DVD erhältlich (siehe OW 2/2007). Die globale Distribution selbst der Jugendwerke und Fragmente kann freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der Mozart-Kanon in den letzten beiden Jahrzehnten kaum verbreitert hat. Gewiss,...
Angst- und Wunschtraumzauber
Wie Katharina Wagner und Robert Sollich bei den «Meistersingern» neue Hörperspektiven schaffen
chuhe sind normalerweise nicht das, worauf es bei einer Opernaufführung ankommt. Jedenfalls nicht auf der Bühne. Von den Choristen hat jeder zwei, drei Paar in der Garderobe. Das reicht aus, um vierhundert Jahre Operngeschichte zu durchqueren....
Wotan ist ein Loser – kläglich wird sein grandioses «Second-Life»-Konzept scheitern. Doch am Schluss von «Rheingold» sieht alles noch vielversprechend aus. «Abendlich strahlt der Sonne Auge; in prächtiger Glut prangt glänzend die Burg», schwärmt der Gott, kompetent vertreten durch den amerikanischen Heldenbariton James Johnson. Währenddessen führen uns die...
