Dem Menschen auf der Spur
In einem im Programmheft abgedruckten aufschlussreichen Gespräch legt Brigitte Fassbaender ihr Credo in Sachen Opernregie dar: «Das Wichtigste auf der Bühne sind und bleiben die Sänger, die Menschendarsteller», heißt es da, und «wenn ein Regisseur, der Oper macht, keine Noten lesen kann und aus dem CD-Booklet inszeniert, verstehe ich das nicht, denn die erste Inspirationsquelle in der Oper ist die Musik.» Diese beiden Aussagen werden in nahezu jedem Moment ihrer eindrucksvollen Kieler «Eugen Onegin»-Inszenierung unterstrichen.
Das Prinzip der Rückblende, das sie dabei anwendet, ist zwar nicht unbedingt originell, aber in seiner Umsetzung verrät es die erfahrene Bühnenpraktikerin, die mit psychologischem Feingefühl und immer aus dem Geist der Partitur heraus die Szene gestaltet.
Tatjana ist alt geworden, eine verhärmte Matrone im Witwenstand. Grauhaarig, in Schwarz gekleidet, wandelt sie (von der Schauspielerin Andrea Schöning mit großer Präsenz verkörpert) als stumme Gestalt durch den verödeten Festsaal ihres Schlosses und ruft sich entscheidende Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit ins Gedächtnis zurück, wobei die verschiedenen Schauplätze (Ausstattung: Helfried Lauckner) durch ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Gerhart Asche
Für den Broadway hat er noch nicht geschrieben. Und es deutet derzeit nichts darauf hin, dass Peter Eötvös mit dem Gedanken spielt, mal einem Frederick Loewe, Richard Rogers, Irving Berlin oder sagen wir: einem Kurt Weill respektive Leonard Bernstein nachzueifern. Aber das musikästhetische Denken des ungarischen Komponisten kennt keine Tabus, weder bei den Genres...
Um Kopf und Kragen
110 Jahre alt ist sie mittlerweile und lässt immer noch die Schleier fallen: Strauss’ «Salome». Auch in diesem Jahr tanzt die Blutrünstige munter durch die Opernlandschaft. Zum Beispiel in Coburg, Detmold und Bonn. Wir haben uns umgesehen.
Kitsch und Kälte
Dmitri Tcherniakov ist bekannt für die Mischung von Abgrund und Oberfläche, den sezierenden...
Die Liebe? Sie steckt in einem Blick. Orpheus und Eurydike halten einander mit den Augen fest, während andere Wesen sie umkreisen, umtanzen. Schauen einander an, während sie immer näher zusammenrücken.
Verlust? Da ist das unsichtbare Band aus Schmerz, das gespannt wird, wenn sie am Boden verharren muss und er nach oben entschwindet. In einem Akrobatengeschirr hoch...
