Das Wissen der Körper

Schon als Kind beschäftigte er sich mit der Gestik des Barock­theaters. So war es kein Zufall, dass gleich seine erste Regiearbeit, Molières «Bourgeois gentilhomme», für Aufsehen sorgte. Freilich interessiert sich Benjamin Lazar ebenso für zeitgenössische Werke. Zuletzt inszenierte er an der Pariser Opéra Comique Stockhausens «Donnerstag aus Licht». Ein Gespräch über Vorbilder und Verdi, über Naturalismus auf der Bühne, Obsessionen und die Frage, was eigentlich Realität konstituiert

Opernwelt - Logo

Herr Lazar, Sie sollen sich bereits im Alter von elf Jahren mit der Gestik und Deklamation im Barocktheater beschäftigt haben. Was um Himmels willen bringt ein Kind dazu, sich für so etwas zu interessieren? 
Die Begegnung mit einer Französischlehrerin namens Isabelle Grellet, die ebenso begeistert vom Theater war, wie sie ihre Schüler dafür begeistern konnte.

Ich war da durchaus in guter Gesellschaft,  in ihrem Theaterkurs habe ich zum Beispiel die Bühnenbildnerin Adeline Caron und die Schauspielerin und Regisseurin Louise Moaty kennengelernt; mit beiden habe ich später zusammengearbeitet. Grellet war auf die Arbeiten von Eugène Green zum Barocktheater gestoßen und wollte, dass ihre Schüler davon profitieren. Deshalb konnte ich mit ihm schon ab dem zwölften Lebensjahr arbeiten, Anfang der 1990er-Jahre Sein Zugang war damals einzigartig in Frankreich, weil er sich dem gesprochenen Vers mit demselben Anspruch widmete wie die historische Aufführungspraxis der Barockmusik. Ich war sofort verzaubert von seiner Art, die Sprache wie formbare Materie zu behandeln, eine körperliche Beziehung zum Wort herzustellen. Es war ein kleiner Kreis von jungen Menschen, die sich dafür interessierten. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2019
Rubrik: Interview, Seite 24
von Michael Stallknecht

Weitere Beiträge
Kafka in New York

Der Dichter leidet. «Hör’ ich das Liedchen singen, / Das einst die Liebste sang, / So will meine Brust zerspringen / Vor wildem Schmerzensdrang.» So ritzte es Heinrich Heine in seinem «Lyrischen Intermezzo» aus dem «Buch der Lieder» ins Papier, tränenüberströmt vermutlich. Robert Schumann komponierte dazu im zwölften Lied seiner «Dichterliebe» eine Musik, die so...

Komische Groteske

Als das Royal Opera House in den Jahren 1997–1999 saniert wurde, nutzte man die Gelegenheit, eine Studiotheaterbühne unterhalb des Auditoriums einzurichten. Doch schon bald stellte sich heraus, dass weder die Mitglieder der hauseigenen Kompanie noch das Publikum glücklich damit wurden. Die Verantwortlichen an Covent Garden reagierten: Während einer zweiten,...

Premieren April 2019

Diese Übersicht bietet eine Auswahl der angekündigten Musiktheater- und Opernpremieren des Monats. Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoire­vorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link:
www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/

ML = Musikalische Leitung
I = Inszenierung
B =...