Das Leid der ganzen Welt
Zwölf Jahre liegen zwischen den Uraufführungen von John Adams’ dramatischen Oratorien «El niño» (2000) und «The Gospel According to the Other Mary». In der Zwischenzeit konnten sich seine Opern «Nixon in China» (1987) und «The Death of Klinghoffer» (1991) als moderne Klassiker etablieren, während «Doctor Atomic» (2005) es da aufgrund der weitschweifigen Dramaturgie etwas schwerer hat. Der ätherische Zweiakter «A Flowering Tree» (2006) ist bisher kaum nachgespielt worden.
«The Gospel According to the Other Mary» ist das Gegenstück zu «El niño» – die Passion zur Weihnachtsgeschichte. Für das Libretto hat Peter Sellars Verse aus dem Alten und Neuen Testament mit Texten u. a. der Sozialaktivistin Dorothy Day, des Holocaust-Zeugen Primo Levi und Hildegard von Bingen kombiniert. John Adams peitscht dazu mit Mahler’schen und Debussy’schen Orchesterfarben wilde Stürme auf, durchpulst vom Klang der E-Gitarre und versetzt mit Totentanz-Figuren des Zymbals und der Flöte. Die Lazarus-Arie «Tell me: How is this night different?» ist Oppenheimers «Batter my heart, three person’d God» nicht unähnlich, dem Herzstück aus «Doctor Atomic»; auf «The Flowering Tree» verweisen sehrende Streicher und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Anna Picard
Bei der Inszenierung von komischen Opern ist Logik nicht das oberste Gebot. Wenn’s gefällt, lässt man sich manche Ungereimtheit gern gefallen. Wenn nicht, verzeiht man weniger.
Davide Livermore hat in Pesaro Rossinis «L’italiana in Algeri», diese aberwitzige Buffa über den Clash der Kulturen, in eine künstliche Comic- und Kinowelt der 60er-Jahre übertragen –...
Neben Krimis und Talkshows sind Sitcoms ein Evergreen heutiger Fernsehprogramme. Warum also nicht einmal dieses Genre als Muster für zeitgenössisches Musiktheater verwenden? Dieser Überlegung verdankt sich das für das Festival Wien Modern entstandene szenische Projekt «Das Leben am Rande der Milchstraße». Geschrieben haben es der Komponist Bernhard Gander und die...
Vierhundertfünfzig Musiker wurden bei der Uraufführung gebraucht, darunter hundert Streicher, dreizehn Harfen und dreihundert Bläser, zusätzlich noch Chor und Gesangssolisten. Die Rede ist nicht von Hector Berlioz’ «Te Deum» oder dessen Requiem. Die Rede ist von der Oper «Prométhée», vollendet im Jahr 1900 von jenem französischen Komponisten, der dem Monumentalen,...
