Das Leben – eine Oper
Ponnelle selig mag unerreicht sein. Unter den geschickten Vermarktern eigener Ideen nimmt Robert Carsen heute einen oberen Rang ein. Seine «Tosca»-Inszenierung, 1996 ein Juwel innerhalb seines Puccini-Zyklus an der Vlaamse Opera in Antwerpen und anno 2000 auch in Hamburg zu sehen, schmückte im April nun den Zürcher Spielplan. Und der Wahrheit die Ehre: Ein Schmuckstück ist sie tatsächlich.
«Come la Tosca in teatro»: Das Programmbuch verriet gleich vorneweg, wo’s lang ging.
Es war eine «Tosca», die nicht in der Kirche, im Palazzo Farnese oder auf der Engelsburg stattfindet, sondern von A bis Z im Theater, das der Ausstatter Anthony Ward höchstens im ersten Akt und zumal mit dem riesigen Marienbild beim «Tedeum» mit einem Gotteshaus kreuzte.
Wir schauen einer Sängerin zu, die eine Sängerin spielt, die die Tosca gibt. Die Ur-Gleichung des Abends lautet: Emily Magee = Maria Callas = Floria Tosca. Der Regisseur treibt ein virtuoses Theater auf dem Theater. Er jongliert mit zitierten Gesten und Haltungen. Das Leben – eine Oper: ein Dasein unterm Scheinwerfer, das Drama einer Künstlerin, die ihren Beruf mit dem Alltag gleichsetzt, sich im Grunde permanent in Anführungszeichen äußert – bis ...
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Eine konzertante Aufführung schien 1997 die Wende zu bringen. Als Kent Nagano in Manchester die Erstfassung von Brittens «Billy Budd» mit Thomas Hampson in der Titelrolle dirigierte, schien der Weg frei; und tatsächlich folgten u. a. 2001 an der Wiener Staatsoper und vier Jahre später an der Staatsoper München szenische Produktionen dieser 1951 in London...
Es ist eine makabre, für empathische Zuschauer schwer erträgliche Situation. Und doch besitzt sie musiktheatrale Energie, wie sie nur selten aus einer historischen Handlung kommt: In den Jahrzehnten nach dem Dreißigjährigen Krieg waren Betäubungsmittel verboten, wenn die Patienten nicht bei den Operationen starben, so an der primitiven Anästhesie. Doktor Eisenbart,...
Schon der Titel ist Programm: Schlicht «Lucretia» steht auf den Plakaten, mit denen Kopenhagens Oper ihre neue Produktion ankündigt. Von der Vergewaltigung, die eigentlich im Titel von Benjamin Brittens 1946 uraufgeführter Kammeroper angekündigt wird, ist keine Rede. Doch hat sie überhaupt stattgefunden? In der revidierten und bislang einzig gespielten Fassung, die...
