Das Himalaya-Gefühl
Madame Clément, wenn wir auf die einst so schöne Zauberstadt Paris blicken – was sehen wir da gegenwärtig, und was sehen wir vielleicht auch nicht?
Paris ist eine ewige Schönheit, die mich nach wie vor tagtäglich berührt, obwohl ich da geboren bin. Die Schönheit geht jedoch mit einem gewissen Konservatismus einher: Jegliche Veränderung kann auch als Bedrohung empfunden werden, die es abzuwehren gilt – auch wenn die «ewige» Schönheit, die da so vehement verteidigt wird, das Resultat massiver, radikaler städtebaulicher Eingriffe des 19. Jahrhunderts ist.
Ich bin mir dieses impliziten Konservatismus erst bewusst geworden, nachdem ich nach Berlin gezogen war. Wenn ich auf Reisen war und nach Berlin zurückkehrte, hatte sich die Stadt innerhalb eines Monats mehr verändert als Paris in zehn Jahren.
Was ist Paris für Sie?
Ich lebe seit über zehn Jahren wieder im schönen Paris. Es ist meine Heimat, der Ort, wo meine ältesten Freunde sind. Aber ich bin froh, dass ich eine Zeit lang weggegangen bin. Das Leben in den Vereinigten Staaten und dann in Berlin hat mir eine Weltoffenheit vermittelt, die ich so in Paris nicht bekommen hätte. Die Tatsache, dass meine Mutter aus dem Iran stammt, hat ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Interview, Seite 28
von Jürgen Otten
«Mein Mund soll meines Herzens Bosheit sagen, / Sonst wird mein Herz, verschweig’ ich sie, zerspringen: / Und ehe das geschehe, will ich frei / Und über alles Maß die Zunge brauchen ...» So sagt es Katharina in Shakespeares «Der Widerspenstigen Zähmung»; man hätte sich auch Richard Strauss’ Ehegespons Pauline de Ahna in dieser Rolle vorstellen können. Ob das Stück...
Die Frage lässt sich wohl kaum intuitiv beantworten und hat mit persönlichem Geschmack wenig zu tun: Machen die Musiker wirklich das, was der Komponist sich vorgestellt hat? Auch der Blick in den Klavierauszug gibt nur pauschal Auskunft. Um hier tiefer einzudringen, bedient sich der an vielschichtigem Verstehen interessierte Hörer dessen, was der Dirigent...
Gelegentlich öffnet sich der Himmel des Liedgesangs. Für den Schreiber dieser Zeilen war’s etwa im Frühjahr 1964, als er in Graz Fritz Wunderlich mit Schumanns «Dichterliebe» live hörte. Die Einspielung dieses Zyklus durch den Tenor und Hubert Giesen darf als Referenz gelten; freilich folgt sie der auch heute noch weithin benutzten, 16 Lieder umfassenden...
