Das Besondere sein

Opernwelt - Logo

Herr Konold, Sie sind seit diesem Jahr als Nachfolger von Wolfgang Gönnenwein künstlerischer Leiter der Ludwigsburger Festspiele und gleichzeitig Intendant des Staatstheaters Nürnberg. Was hat Sie an dieser Aufgabe und an dieser Doppelrolle gereizt?
Zwei Dinge. Zum einen: Ich vergleiche ein Staatstheater mit fünfhundert Mitarbeitern immer mit einem Supertanker. Sie stehen auf der Brücke und sagen: «Jetzt will ich nach rechts» , dann sagt der Rudergänger «scharf rechts», und das Boot fährt trotzdem noch einen Kilometer weiter geradeaus, bevor es reagiert.

Man kann viel und Interessantes bewegen mit einem solchen Apparat, aber die Trägheit ist ein wenig höher, während Festspiele aus meiner Sicht das Schnellboot sind. Man kann spontaner damit umgehen, und man hat natürlich, gemessen an einem Theater, sehr viel mehr freie Mittel für Kunst. Ich habe in Ludwigsburg inklusive Logistikkosten gut zwei Drittel meines Etats für die künstlerischen Projekte, in Nürnberg sind es – Milchmädchenrechnung insofern, als ich Orchester, Chor, Sänger, Schauspieler und Tänzer ganzjährig bezahle und entsprechend einsetzen kann – ungefähr fünf Prozent. Auf der anderen Seite muss ich in Ludwigsburg jeden ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Idylle mit Schäfchenwolken

Die Krise des CD-Marktes verschont auch die Opern Richard Strauss’ nicht: Obwohl gerade die Spätwerke wie «Die Ägyptische Helena», «Daphne» und «Danae» seit einigen Jahren eine Renaissance auf den Bühnen erleben, ist davon auf CD nur wenig zu spüren. Selbst Christian Thielemann, der wohl profilierteste Strauss-Dirigent unserer Tage, durfte bislang noch keine...

Henze: Die Bassariden

Die Masse torkelt. Es baumeln die Arme, es wippen die Knie. Thebens Volk scheint verzaubert. Gott Dionysos hat es verführt. Wie ein Chor aus Bhagwan-Jüngern zieht es dahin, und Dionysos, der rachsüchtige, hinter­lis­tige Gott, trägt ein Dauergrinsen zur Schau. In Köln haben die «Bassariden» Einzug gehalten, und das erstmalig. Man hat sich für die revidierte Fassung...

Editorial

Ein Gespenst geht um in der Opernszene. Es hört auf einen alten Begriff, den es verzerrt: Aktualität. Als sich Calixto Bieito kürzlich in Berlin an «Madame Butterfly» vergriff, verlegte er die Handlung in ein Etablissement für Sextourismus. Die Aufführung zu rezensieren, lohnt sich nicht, da sie nur ein weiteres Beispiel für die Guinness-Buch-verdächtige Fähigkeit...