Dante lässt grüßen
Puccini mochte es gar nicht, wenn die drei Einakter seines «Trittico» auseinandergerissen und mit Stücken anderer Komponisten gekoppelt wurden. Die Met trieb dieses Spiel zu besonders aparten Kombinationen und spielte jahrelang «Gianni Schicchi» als Aufwärmer vor «Salome». Doch so berechtigt der Hinweis auf die dramaturgische Einheit des «Trittico» ist: Es wächst keineswegs automatisch oder gar zwingend zusammen, was zusammen gehört.
Schwachpunkt bleibt der erste Teil von «Suor Angelica», in dem Puccini das Klosterleben mit zwar sparsamen, aber doch bieder-affirmativen Farben klanglich auspinselt. Während «Il tabarro» durch bemühten Realismus mit dem Verismo liebäugelt, erreicht «Gianni Schicchi» ganz andere ästhetische Qualität: Dort und nur dort weist Puccini mit rhythmischen Knoten, pointiert ausgestellten Dissonanzen und grotesk gespreizten Intervallen in die musikalische Zukunft (Strawinsky, Busoni).
Modestas Pitrenas, der 35 Jahre junge Chefdirigent der Oper von Riga, kitzelt die Stilkontraste des «Trittico» penibel heraus. Es ist seine zweite Einstudierung, und er hat sie hörbar detailfreudig vorbereitet. Den «Gianni Schicchi» treibt er in gleißende Helle, meißelt präzise ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Für sein erstes Opern-Recital hat Lucio Gallo Rollen gewählt, die er bereits häufig auf der Bühne gesungen hat, die Spannweite von Mozart über die Belcanto-Oper und die französische und russische Literatur bis hin zu Wagner ist folglich kein Studio-Fake, sondern entspricht der tatsächlichen Leistungsfähigkeit dieses Sängers. Streng genommen besitzt er weder die...
PROGRAMMTIPP: «Lulu»
Frank Wedekinds Lulu-Tragödien machten nicht nur auf der Schauspielbühne Furore. Alban Berg stellte die «Nachtwandlerin der Liebe» (Karl Kraus), die sich jenseits aller moralischen Konvention bewegt, ins Zentrum seiner letzten (unvollendet gebliebenen) Oper. Nun bringen die Salzburger Festspiele in der Felsenreitschule eine Neuproduktion der...
Am Anfang stand ein Film, Fatih Akins preisgekröntes Leinwanddrama «Gegen die Wand» mit einem Stoff von heute, wie er in den Türkenvierteln deutscher Städte zum Alltag gehört. Sibel geht eine Scheinehe mit dem lebensmüden Cahit ein, um endlich aus dem Gefängnis des Elternhauses ausbrechen und sich ins Großstadtleben mit all seinen Verlockungen und Auswüchsen...
