Business oder Kunst?
Bis zu zweiundzwanzigtausend Zuschauer fasst die Arena di Verona, wenn man es mit den Sicherheitsvorschriften nicht so genau nimmt. Diese Besucherzahl erreicht man allerdings nur in Ausnahmefällen, mit besonders zugkräftigen Werken. Interessant ist dennoch, dass die Arena bereits dann kostendeckend arbeiten kann, wenn lediglich eine Auslastung bis zu viertausend Zuschauern stattfindet. So etwas gibt es aber fast nie. Zehn- bis zwölftausend zahlende Gäste sind es eigentlich immer. Wenn also ein Open-Air-Spektakel zum gewinnträchtigen Geschäft geworden ist, dann ist es Verona.
Das gilt in diesem Jahr besonders für «Aida» und «Bohème», wobei nur die Letztere künstlerische Ansprüche erheben konnte. Ein Totalausfall war der ohne untere Lage agierende Giorgio Surian (Ramfis), Tichina Vaughn als Amneris brachte nicht annähernd eine ihrem Körpervolumen entsprechende Stimme ein – schlechte Voraussetzungen für einen «Aida»-Abend. Dazu kamen Unsauberkeiten im Orchester und überlange Pausen, weil etwas hinter der Bühne den geplanten Ablauf hinderte, ohne dass Informationen ans Publikum gegeben wurden. Nur zwei Lichtblicke: Der eine war Salvatore Licitra, ein Radames mit wunderschönem ...
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«Guillaume Tell» gehört zu den Schlüsselwerken der Operngeschichte des 19. Jahrhunderts. Rossini hat mit diesem 1829 für Paris komponierten Werk den entscheidenden Schritt über Spontini und Auber hinaus zu jenem Gesamtkunstwerk aus Wort, Musik, Tanz und Szene getan, das dann als Grand Opéra Schule machen sollte. Das von Rossini selbst entscheidend beeinflusste...
Am Ende singen sie doch noch. Geradezu erlösend wirkt der vokale Glücksmoment, den Isabel Mundry in ihrer «Odyssee» dem Helden und seiner Gattin Penelope vergönnt: Eine späte zwischenmenschliche Tonwerdung, an der auch die Vergänglichkeit dieser Begegnung nichts ändern kann. Denn obwohl Odysseus anschließend weiterziehen muss, hat er durch die Überwindung der...
Als der spanische König Philipp III. sah, wie ein junger Mann sich vor Lachen krümmte, kommentierte er dies mit den Worten: «Entweder der Bursche hat den Verstand verloren, oder er liest gerade den ‹Don Quijote›». Kann man den eigentümlichen Charakter eines Buchs besser beleuchten, das vor genau vierhundert Jahren das Licht der nicht allein literarischen Welt...
