Brüder im Geiste
Draußen vor der Helmut-List Halle, in einem an Sultan Saladins Zeiten erinnernden Zelt, prangt das Logo eines Energie versprechenden Prickeldrinks. Doch wer braucht hier ein Aufputschmittel? Wohnt nicht jeder Harnoncourt-Premiere ohnehin ein Prickeln inne, zumal, wenn es sich um Offenbach handelt? Beide Herrschaften verbindet ja mehr als das Cellospiel und die Mitgliedschaft bei der Légion d’honneur.
Seit Langem begeistert der Grazer Maestro, dessen voller Name Nikolaus Graf de la Fontaine und d’Harnoncourt-Unverzagt auf seine gallischen – genauer: lothringischen Wurzeln – verweist, sich für den deutsch-französischen Maître der Bouffes-Parisiens. Aufführungen von «La belle Hélène» und «La Périchole» (beide in den 1990er-Jahren in Zürich) sowie der «Grande-Duchesse de Gérolstein» (vor zehn Jahren in Graz) belegten dies mit Verve. Nun nahm Nikolaus Harnoncourt sich im Zeichen des diesjährigen Styriarte-Mottos «Gefährliche Liebschaften» Offenbachs «Barbe-Bleue» vor, eine köstliche Verhohnepipelung der Legende vom nuptialen Serienmörder.
Das Publikum der Uraufführung am 5. Februar 1866 im Théâtre des Variétés in Paris war freilich eher verstört. Und auch danach konnte sich das Stück ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Gerhard Persché
Vierzehn Tage nach Absage der Händel-Festspiele herrscht Kaiserwetter in Halle. Von Flutschäden ist nichts mehr zu sehen. Nur die Verantwortlichen streiten öffentlich, ob die Absage nötig war. Halles Opernintendant Axel Köhler holt seine ausgefallene Premiere, Händels erste Oper, «Almira, Königin von Kastilien» (1705), nach, weil das Haus die Produktion braucht.
Wer...
Etwa auf halber Strecke zwischen Oxford und dem Londoner Ring liegt Wormsley, das malerische Anwesen der Getty-Familie in den Chiltern Hills. Jeden Sommer zeigt hier die Garsington Opera in bester englischer Picknickatmosphäre drei Opern, mit Blick über Wiesen, Wälder, Wildpark und Wasser. Dieses Jahr auf der Bühne in Robert Snells preisgekröntem Glaspavillon:...
Die Oper ist und bleibt der Wolpertinger unter den Künsten, bei dem sich Text, Musik und Szene gegenseitig unterstützen, kommentieren oder im Wege stehen. Diese Offenheit des Genres weckt zuweilen die Begehrlichkeit, alles hineinzuwerfen, auf dass am Ende schon irgendetwas Neues oder Aktuelles herausschaue. Das jüngste Projekt der Deutsche Bank Stiftung und ihres...
