Blanke Busen, wackelnde Hintern
Wenn große Opernhäuser sich der Operette widmen, darf man Besonderes erwarten. Denn der Einsatz vokaler und orchestraler Veredelungsmittel impliziert zugleich den Anspruch, den Stücken einen Erkenntnisgewinn über den puren Unterhaltungswert hinaus abzuverlangen. An der Dresdner Semperoper war das zuletzt mit Emmerich Kalmans von Peter Konwitschny in die Schützengräben des Ersten Weltkriegs verlegter «Csárdásfürstin» gelungen – eine Großtat, an die das Haus jetzt mit seiner «Lustigen Witwe» durchaus hätte anknüpfen können.
Der Name Jérôme Savary auf dem Programmzettel signalisierte allerdings, dass es diesmal nicht um szenische Auseinandersetzung gehen sollte, sondern eher darum, dem kriselnden Haus eine Bustouristen-kompatible Cash-Cow zu verschaffen. Auch die Verpflichtung der vokal abgehalfterten Volksmusik-Nase Gunther Emmerlich als Baron Zeta muss wohl als verzweifeltes Signal in diese Richtung interpretiert werden.
Savary liefert denn auch, was man von ihm erwartet: blanke Busen und wackelnde Hintern, stolpernde Garçons und kreischende Grisetten. Paris, wie es singt und lacht. Die genervte Reaktion des Premierenpublikums zeigt allerdings, dass auch in Deutschland die Ansprüche ...
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