Blanke Busen, wackelnde Hintern

Dresden, Lehár: Die lustige Witwe

Opernwelt - Logo

Wenn große Opernhäuser sich der Operette widmen, darf man Besonderes erwarten. Denn der Einsatz vokaler und orchestraler Veredelungsmittel impliziert zugleich den Anspruch, den Stücken einen Erkenntnisgewinn über den puren Unterhaltungswert hinaus abzuverlangen. An der Dresdner Semperoper war das zuletzt mit Emmerich Kalmans von Peter Konwitschny in die Schützengräben des Ersten Weltkriegs verlegter «Csárdásfürstin» gelungen – eine Großtat, an die das Haus jetzt mit seiner «Lustigen Witwe» durchaus hätte anknüpfen können.

Der Name Jérôme Savary auf dem Programmzettel signalisierte allerdings, dass es diesmal nicht um szenische Auseinandersetzung gehen sollte, sondern eher darum, dem kriselnden Haus eine Bustouristen-kompatible Cash-Cow zu verschaffen. Auch die Verpflichtung der vokal abgehalfterten Volksmusik-Nase Gunther Emmerlich als Baron Zeta muss wohl als verzweifeltes Signal in diese Richtung interpretiert werden.
Savary liefert denn auch, was man von ihm erwartet: blanke Busen und wackelnde Hintern, stolpernde Gar­çons und kreischende Grisetten. Paris, wie es singt und lacht. Die genervte Reaktion des Premierenpublikums zeigt allerdings, dass auch in Deutschland die Ansprüche ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2008
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Marathon Man

Mit «Marathon Man» verbindet man in der Regel Dus­tin Hoffman im gleichnamigen Film, oder aber Haile Gebrselassie, den Weltrekordler auf dieser klassischen Laufstrecke. Doch nicht vom Abzählen der 42,195 Kilometer, vom eintönigen, mechanisch aus dem Steiß entwickelten Trott sei hier die Rede, sondern von der eleganten Bewegung aus den Schultern heraus, vom präzise...

Offenbach: Die Rheinnixen

Wieder ist es – nach Trier und Cottbus – eine der kleineren deutschen Bühnen, die sich der 2002 in Montpellier wiederbelebten «Rheinnixen» von Jacques Offenbach annimmt. Kapellmeister Hartmut Brüsch hat das mit dreieinhalb Stunden reiner Spieldauer überlange Werk auf (inklusive Pause) zweieinhalb Stunden gekürzt und damit eine prak­tikable, handhabbare Fassung...

Als Drama ernst genommen

Das kommt vor und leider viel zu selten: dass man ein Stück, das man unzählige Male gehört hat und genau zu kennen glaubt, plötzlich wie zum ersten Mal und ganz neu erlebt. Mir ging es jetzt so mit ­einem Rundfunk-Mitschnitt des «Trovatore» aus der New Yorker Met von 1947, von dem ich mir allenfalls ein Stimmenfest erwartet hatte. Doch schon nach wenigen Minuten...