Bittersüßer Reigen
Manchmal ist das Ferne ganz nah. Fährt direkt unter die Haut, bis wir nicht ein noch aus wissen. Bis wir zu fragen vergessen, warum uns eine mehr schlecht als recht erzählte Geschichte aus dem 19. Jahrhundert den Atem stocken lässt.
Eine Geschichte, die auf einer Insel im Indischen Ozean spielt (Ceylon) – mit einem von geistergläubigem Volk auserwählten König (Zurga), der unerwartet seinen verlorenen Busenfreund wiedertrifft, einen Fischer (Nadir); mit einer Schönheit, die einst von beiden umschwärmt wurde und nun dem Hindu-Gott Brahma ewige Treue schwört (Léïla); und mit einem Großpriester, der von jedem Blutzoll fordert, der die heiligen Gesetze bricht (Nourabad). Ein abenteuerlicher Schmarren. Und doch: Am Ende reiben wir uns ergriffen die Augen – verblüfft, überwältigt und noch immer rätselnd, warum dieses holprige, vor allem wegen seiner herrlichen Wunschkonzertnummern gern ins Programm gerückte Dreiecksdrama in den Tropen plötzlich packt, ja absolut schlüssig wirkt.
Vielleicht hat das mit der liebevollen, scheinbar naiven Sympathie zu tun, die Marie Vinck, Stef Aerts, Thomas Verstraeten und Joé Agemans, die vier Mitglieder der seit zehn Jahren aktiven ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Albrecht Thiemann
JUBILARE
Dietrich W. Hilsdorf studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/Main. Danach folgten Regieassistenzen, u. a. bei Hans Neuenfels. Seit 1978 erarbeitete der gebürtige Darmstädter zahlreiche Inszenierungen in den Bereichen Theater, Oper und Musical. Anfang der 1980er-Jahre wandte sich Hilsdorf verstärkt dem...
Wie soll man dem fortschreitenden Irrsinn im gegenwärtigen Weltgeschehen mit musiktheatralischen Mitteln beikommen? Mit hochdepressiven Stücken wie, sagen wir, Janáčeks «Totenhaus» oder Dallapiccolas «Prigioniero»? Es gibt eine viel wirkungsvollere Methode, denn, ach ja, da war doch mal ein Komponist, der in ähnlich krisengeschwängerter Zeit mit Witz und Aberwitz...
Gilda und Rigoletto belauschen von draußen, wie sich der Herzog in der Wirtsstube an Maddalena heranmacht: Die zentrale Quartett-Szene im dritten Akt fasst simultanes Geschehen in getrennten Räumen musikalisch zusammen und bringt das Drama damit auf den Punkt. Denn Gilda ist nun gezwungen zu erkennen, wer ihre Entführung aus dem väterlichen Haus veranlasst hat –...
