Bildwitz und Klangduft
Pech für den Intendanten und Regisseur. Obwohl er mit einem Mikrofon ausgestattet den Vorhang teilt – wir verstehen kein Wort von ihm. Die Vertreter des Publikums, die «Tragischen» und die «Komischen», die «Lyrischen» und die «Hohlköpfe», die ihn aus den Proszeniumslogen chorisch bedrängen, übertönen den Hausherrn locker. Doch keine Bange, Marc Adam verschafft sich quasi durch seine Arbeit nachdrücklich Gehör. Sein Gagstart zur «Liebe zu den drei Orangen» dürfte auch lokalpolitischen Hintersinn haben.
Seine dann folgende, bilderreiche Berner Einrichtung von Prokofjews Opernmärchen nach Carlo Gozzi bewegt sich in der Inszenierungstradition. Aber darin bewegt sie sich gewandt, alert, mit Witz und Ironie. Nur, dass Adam es mit den sexuellen Anspielungen ein wenig übertreibt. Noch die Sandhügel in Johannes Leiackers Wüste ähneln auffallend weiblichen Brüsten.
Der malade Jammerprinz, von der Hexe Fata Morgana zur Suche nach den Orangen verdonnert, bricht stante pede und samt seinem Krankenbett dorthin auf. Eine große Drehtür, die samt einem weinroten Theatervorhang die Sandlandschaft bis dato verdeckt hatte, bleibt. Das ist nicht der einzige Bildwitz. Wie auch Eva Desseckers ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Heinz W. Koch
Marek Janowski ist in den sechziger Jahren im deutschen Stadttheater-System groß geworden. Über drei Jahrzehnte hat er an allen bedeutenden Bühnen der Welt gearbeitet. In den Neunzigern kehrte er ihnen im Zorn über den «Regiewahnsinn» den Rücken. Ganz konnte er als Theatermann und Wagner-Fan aber nicht von der Oper lassen. Mit konzertanten Aufführungen und...
Überraschen müsste nicht die späte Einsicht, die hier mitgeteilt und begründet wird. Überraschen müsste, dass es dazu so spät erst kommt. Immerhin liegt, worum es hier geht, schon mehr als hundert Jahre zurück, ohne dass es historisch verjährt wäre. Ob die Einsicht – falls sie denn überhaupt einleuchtet – zu heutigen Konsequenzen führen wird, bleibt abzuwarten....
Das Bonner Opernhaus hat Franz Schrekers «Irrelohe» ausgegraben und damit ein Schlüsselwerk der Moderne neu entdeckt. In der Nazizeit wurden die Opern des Halbjuden Schreker als «entartet» gebrandmarkt, und so verschwand auch das Stück mit dem schauderhaft schönen Titel in der Versenkung. Von der Renaissance der Schreker-Opern seit den achtziger Jahren profitierte...
