Beredte Körper
Palermo sorgt für die italienische Erstaufführung des «König Kandaules». Alexander Zemlinskys «verlorenes» Stück, von der Metropolitan Opera 1942 abgelehnt, aus Particellen und Skizzen durch den amerikanischen Musikwissenschaftler Antony Beaumont «vollendet» und erst 1996 in Hamburg uraufgeführt, wird mit erotischen Verlockungen beworben: ein dekadenter Stoff (aus der Antike, nach André Gide), eine Femme fatale, die sich nackt auf der Bühne zeigt, Wollust, Blut und Verrat. Das Publikum war auf Skandal eingestimmt – der am Ende aber doch nicht eintrat.
Auch musikalisch fühlte sich niemand vor den Kopf gestoßen. Nicht alle Besucher, die nach der Vorstellung aus der majestätischen Vorhalle des Teatro Massimo strömten und die «Leid»- oder (Gyges-)«Ring»-Leitmotive summten, waren Kenner der von den Nazis als «entartet» verfemten Musik. Viele (die Gespräche im Foyer beweisen es) zeigten sich überrascht, dass dieser Zemlinsky – ein Mitschüler Mahlers, Schrekers und Hugo Wolfs, dann Lehrer Weberns, Korngolds und Schönbergs – keineswegs der große Ikonoklast war.
Auf Zemlinsky trifft vielmehr der Begriff eines «posthumen Komponisten» zu, eines Moses, der anderen den Weg ins Gelobte Land der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Carlo Vitali
Dieter – er ist mir ganz nah, mit seinem lieben Gesicht, dem Klang seiner Stimme, seiner Freundlichkeit, seinem Humor. Stunden vor seinem Tod durfte ich ihn noch besuchen, sprach mit ihm, freute mich an seinem leisen Lächeln, litt mit ihm und für ihn angesichts seiner Schwäche. Vor zwei Tagen haben wir ihn begraben – auf dem Berliner Waldfriedhof an der Heerstraße,...
Frau Fredrich, warum sind Sie als Sängerin so spät gestartet?
Ich wollte immer einen ordentlichen Beruf lernen. Und wusste nicht, was in mir steckt. Ich bin jetzt über 30. Habe aber erst 2004 mit dem Singen begonnen. Bis Januar war ich Tontechnikerin beim RBB. Ich habe vier abgeschlossene Berufsausbildungen, darunter eine als Gesangspädagogin. Den Mut, selbst...
Gut 1000 Luftlinienkilometer liegen dazwischen, und was die Aufführungstradition betrifft, da ist die Entfernung gleich gar nicht mehr abzuschätzen. Wagner, das ist für die Bayerische Staatsoper Alltagsgeschäft, für die Oper Sofia der Ausnahmefall. Auch wenn dort seit 2010 pro Saison ein «Ring»-Stück gestemmt wird, so gleicht doch jede dieser Produktionen einer...
