Bemerkenswert ausgewogen
Das Urteil über Richard Strauss blieb lange gespalten. Ernst Bloch meinte schon in den Zwanzigerjahren, es sei schwer «über ihn ins Reine zu kommen». Und noch zum 50. Todestag schrieb der Musikwissenschaftler Volker Scherliess, es liege auf der Hand, dass zwischen der Erfolgsverwöhntheit von Strauss und seinem künstlerischen Schaffen eine Beziehung bestehe: «Wer selbst keine existenziellen Probleme bewältigen muss, wird sie auch künstlerisch nicht artikulieren wollen.
»
Andererseits hatte Strauss auch jenseits der hagiografischen Literatur prominente Fürsprecher wie etwa Glenn Gould. Und natürlich wurden seine Werke (fast ausnahmslos) vom Publikum gefeiert; sogar die Skandalopern «Salome» und «Elektra» liefen von Anfang an blendend. Im Kontext der Nachkriegsavantgarde spitzte sich die mehr oder weniger offene Pro- und Contrahaltung zu, und das blieb noch bis zur Jahrtausendwende so: Kaum trat ein Forscher auf den Plan, der zum Beispiel eine tiefe Verbundenheit von Strauss mit der Kulturpolitik der Nazis behauptete und belegte (wie Gerhard Splitt), dauerte es nicht lange, bis jemand das relativierte und Strauss als letztlich harmlosen, egomanen, aber gutwilligen Mitläufer beschrieb ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Stephan Mösch
Am 2. Februar 1990 mittags saßen wir im Büro von Angelo Gobbato, dem Direktor der Capetown Opera, um ihn für «Opernwelt» zu interviewen. Und hörten Radio. Denn F. W. de Klerk, der damalige Staatspräsident Südafrikas, hielt jene historische Rede, in der er die Freilassung Nelson Mandelas, die Aufhebung des Verbots des Afrikanischen Nationalkongresses und das Ende...
Unter den großen Komponisten des 20. Jahrhunderts ist Richard Strauss der Umstrittenste, zumindest – seit Adornos brillanter Attacke in seinem Essay aus dem Jahre 1964 – in Deutschland. Von den Neuerscheinungen im Jubiläumsjahr ragen neben dem «Richard Strauss Handbuch», das Walter Werbeck im Metzler-Verlag ediert hat (siehe Seite 29), drei Titel heraus: eine...
Kunst gehört uns nicht. «Wir müssen sie immer wieder neu verdienen», sagt Serge Dorny. Draußen donnert es, als wollte der Himmel ein Ausrufezeichen setzen. Aber kein Gewitter naht; vielmehr rumoren einige Harleys am Café vorbei. Später sehen wir sie in der Nähe der Opéra abgestellt. Unter den Arkaden des Opernhauses, das dank des Architekten Jean Nouvel Gestern und...
