Bellini: Norma (Haider)
Eine Frau wird zur Erlebnisbaustelle. Das hängt zum einen mit der kniffligen Situation zusammen, in der sie sich befindet: Sie ist gallische Druidenpriesterin und hat zwei uneheliche Kinder von einem Römervater, der nun überlegt, sich mit einer anderen davonzumachen. Zum anderen hat diese Frau jede Menge komplizierter Töne vor der Brust, weswegen die Zahl derer, die der Versuchung erlegen sind, in ihre Rolle zu schlüpfen, auch deutlich größer ist als jenes elitäre Grüppchen, das dieser Partie wirklich gewachsen ist.
Die Frau Norma des Herrn Bellini ist nun mal nicht einfach zu singen und noch weniger leicht zu gestalten. Heroine, Tragödin, Rächerin – allesamt Attribute, die galliges Gift auf den Stimmbändern quasi voraussetzen. Doch nun ist mit der Darstellung Edita Gruberovas die Schallplattengeschichte um ein «Norma»-Kapitel reicher, das diese Figur auch von einer anderen, persönlicheren Seite zeigt und sich zugleich den historischen Wurzeln wieder annähert – was nicht mit Gruberovas Wahl zusammenhängt, die «Casta diva» in dem von Bellini ursprünglich vorgesehenen G-Dur und nicht in dem erst später nach unten verlegten F-Dur zu singen. Das Nur-Dramatische hat in Gruberovas ...
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Frau Stemme, bevor Sie Opernsängerin wurden, haben Sie in Ihrer Heimatstadt Stockholm Volks- und Betriebswirtschaft studiert. Prägt Sie die ökonomische Denkweise, das genaue Kalkulieren und Disponieren, auch heute noch?
Sicher, im übergeordneten Sinne schon. Erstens lernt man dort, dass sich die Wirklichkeit nun einmal nicht exakt kalkulieren lässt – denken Sie an...
Wasser. Rings herum nichts als Wasser. Man darf sich das gar nicht vorstellen. Wie das wäre. Was man machen würde in dieser Sekunde, in der das Wasser hier unten, zirka zwölf Meter unter der Straße, durch die Mauern drückt, die Mauern niederreißt, alles, was da kreucht und fleucht, fortreißt in einem riesigen Schwall und man selbst fortgerissen wird von diesen...
Gut zwanzig Jahre nach seiner Emigration aus Deutschland besuchte Josef Tal mit seiner Frau Pola erstmals wieder seine ehemalige Heimatstadt Berlin: «Wir nahmen ein Taxi. Ich sperrte meine Augen weit auf – es wurde eine Geisterfahrt. Nach kurzer Zeit sagte ich zu Pola auf Hebräisch: ‹Du, der fährt uns spazieren, um eine größere Zeche rauszukriegen. Den Weg kenne...
