Belcanto aus der ersten Reihe

Gießen entdeckt Giovanni Pacinis «Maria Tudor»

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Giovanni Pacini? Ein weithin versunkener Name aus der Sphäre der Belcanto-Oper. 1796 in Catania zur Welt gekommen, hinterließ der Komponist bei seinem Tod angeblich über hundert Opern. Schon in Jugendjahren in Mailand debütierend, fand er sein durchweg in Italien verbrachtes Leben bedeutend genug, um eine Autobiografie zu schreiben. Findige Opernjäger können hier und da ein paar (apokryphe) Mitschnitt-Zipfel von Pacinis Musik aufspüren. Man kann sich’s jetzt aber auch bequemer machen und nach Gießen fahren.

Im dortigen Stadttheater ist derzeit Pacinis «Maria Tudor» («Maria Regina d’Inghilterra») zu erleben, ein Werk aus seiner mittleren Schaffensperiode, 1843 komponiert. Belcanto aus der ersten Reihe, sozusagen.

In Leopoldo Tarantinis Librettofassung ist das von Victor Hugo stammende Schauspielsujet lupenreine Kolportage. Politisiert wird wenig. Zwei Frauen und zwei Männer im erotischen Clinch. Das sieht so aus, als käme am Ende nichts als Frieden und Doppelhochzeit. Tut es aber nicht. Der schurkische Favorit der Königin wird gegen deren Willen hingerichtet; die Titelheldin, durch diesen Kummer gereift, diszipliniert sich zu metallischer Staatsräson. Das ergibt einen fulminant ...

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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Hans-Klaus Jungheinrich

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