Befangen im Heute

Mit der Mafia auf Du und Du: Ingo Metzmacher und Peter Konwitschny banalisieren in Zürich Janáceks «Aus einem Totenhaus»

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Eine Aufführung von Leos Janáceks letzter Oper «Aus einem Totenhaus» würde ihn nicht berühren, wenn sie in einem Gefängnis spielte, sagt Dirigent Ingo Metzmacher im Interview, das im Programmheft des Zürcher Opernhauses abgedruckt ist. «Mich als Zuschauer hat das nicht erreicht, weil es mich nicht betrifft.» Auch der Regisseur Peter
Konwitschny kann wenig mit dem sibirischen Strafgefangenlager anfangen, in dem die Geschichte (nach den autobiografischen Notizen Dostojewskis) angesiedelt ist.



Deshalb macht Konwitschny aus dem Totenhaus einen schicken Wolkenkratzer («irgendwo in einem Loft im 44. Stock») und aus den armseligen Strafgefangenen Mafiosi in Smoking und mit Sonnenbrille (Bühne und Kostüme: Johannes Leiacker). Das Eingangsbild zeigt zur Orchestereinleitung den Zürcher Bellevueplatz aus der Vogelperspektive. Das Standbild wird lebendig. Der Verkehr kommt in Gang. Straßenbahnen kreuzen, Fußgänger queren, Autos fahren – der Schrecken ist mitten unter uns, will Konwitschny sagen. Deshalb baut er im Zürcher Opernhaus eine Brücke über den Orchestergraben, auf der immer wieder Sänger in den Zuschauerbereich gehen und die Distanz brechen. Der Abend berührt trotzdem lange Zeit ...

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Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Georg Rudiger

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