Bedingt kompatibel
Ganz anders hatten sich die Salzburger das vorgestellt, zum Beispiel mit einem Prolog. Die gealterte Maria, gestählt durch die Bandenkriege Manhattans, hätte da von ihrem Schicksal erzählen dürfen, von ihrer einzigen großen Liebe, von Tony. Und dann wäre sie ins Stück eingetaucht, hätte alles noch einmal durchlitten, was damals zwischen den Sharks und den Jets passiert ist. Gut, der Kniff ist nicht neu. Er hätte allerdings plausibel gemacht, warum ein Star mit – scusi, Signora – 50 Lenzen noch «Tonight» singt.
Vor den Erben Leonard Bernsteins und Stephen Sondheims musste jedoch sogar Cecilia Bartoli kapitulieren. Kaum ein Wort durfte an der «West Side Story» geändert werden, jede Produktion sieht noch immer so aus wie der Uraufführungsabend anno 1957.
Auch jetzt in Salzburg, wo die Felsenreitschule in Sepia-Licht erglüht, die Haartollen der Kerle zementiert und die Röcke der Mädels nur bis Kniehöhe geschnitten sind. Auf ihrer Expedition zu den wilden, besonderen Frauen ist die Bartoli, bis mindestens 2021 Künstlerische Leiterin der Pfingstfestspiele, bei der für sie entlegensten Dame angelangt. Ein lang gehegter Traum, der zum Kompromiss zwingt: Es gibt zwei Marias. Michelle ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Markus Thiel
Ein Wunder, ein Wunder, ein Wunder», ruft die Menge in Richard Wagners «Lohengrin», als der Gralsritter auf dem Schwan dahergeschwommen kommt. Ein Wunder brauchte auch das Konzert Theater Bern, als man sich letztes Jahr unverhofft mit einer Panne konfrontiert sah. Seit 2014 wird der neoklassizistische Bau umfassend renoviert (Kostendach: 45 Millionen Schweizer...
Die 1719 eröffnete Dresdner Hofoper am Zwinger war eines der größten Opernhäuser ihrer Zeit und genoss die besondere Aufmerksamkeit Friedrich Augusts II., dessen Vater August der Starke die sächsische Hauptstadt zum «Elbflorenz» und Kulturzentrum von europäischem Rang gemacht hatte. 1733, als Friedrich August II. die Herrschaft antrat, war der Kampf um die...
Gut aussehend soll er gewesen sein. Mit großen, feucht schimmernden Augen zeigt ihn ein Ölgemälde von Élisabeth Vigée-Lebrun; angeblich hat sie ihn gut getroffen (Foto). Zarin Katharina die Große, der er von 1776 bis 1783 diente, war in Giovanni Paisiello geradezu vernarrt, überhäufte ihn mit Geschenken, legte ihm sogar einmal – er wirkte am Cembalo ein wenig matt...
