Barocker Bastelbogen

Karlsruhe: Händel: Ariodante

Opernwelt - Logo

Zwei Opern standen im Mittelpunkt der 33. Karlsruher Händel-Festspiele: «Radamisto» als Wiederaufnahme vom Vorjahr und «Ariodante» in einer Neuinszenierung durch Peer Boysen. Musikalisch bewegten sich beide Aufführungen auf gleichermaßen hohem Niveau. Szenisch konnte Boysens routiniertes Rampentheater mit der streng historischen Bewegungschoreografie Sigrid T’Hoofts (siehe OW 4/2009) nicht mithalten, und an die Faszination von Achim Freyers magischem «Ariodante»-
Puppenspiel in Frankfurt 2004 (siehe OW 5/2004) durfte man gar nicht erst denken.

Dabei hat Boysen, der wie stets als sein eigener Ausstatter fungierte, sich sichtlich von der barocken Bühne inspirieren lassen, der in Karlsruhe letztes Jahr eine anregende Ausstellung gewidmet war. Er lässt seine nach Art eines Bastelbogens zusammen-
gesetzte hölzerne Prospektbühne als Installation kreisen. Die Handlung spielt sich weitgehend auf einem vorgelagerten, zum Orchester hin absteigenden Treppenrund ab. Mit augenzwinkernder, aber nicht sonderlich treffsicherer Ironie, Standardgesten und manchmal arg geschmacklosen Gags (wie der Kreuzigung der fälschlich der Untreue angeklagten Ginevra) lässt Boysen uns wissen, dass er das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2010
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Rückgriff auf die Antike

Natürlich ist «Elektra» weltweit ein fester Bestandteil des Opernrepertoires, doch musste die Oper genau 101 Jahre auf ihre Erstaufführung im südtirolischen Bozen warten. Die dort erarbeitete Inszenierung versteht sich als eine überregionale Koproduktion mit so traditionsreichen Häusern wie den Teatri Comunali von Modena und Ferrara sowie dem Municipale von...

Gift, Galle und Flowerpower

Müßig zu spekulieren, wie sich Händels Schaffen entwickelt hätte, wenn er nach dem Erfolg seiner «Agrippina» in Italien geblieben wäre. Eines allerdings ist sicher: So bissige Töne wie in der 1709 entstandenen Komödie über den Cäsarenhof erlaubte er sich später niemals wieder – schon allein, weil sich in seiner neuen britischen Heimat alles verbot, was als Angriff...

Kraftlinien

Wie diese Inszenierung beleben? Wie ihr eine zusätzliche Spannungsdosis fürs Heimkino verpassen? Wenn Bildregisseur Michael Beyer im «Making of» über seine Arbeit sinniert, ahnt man: Das größte Problem ist, dass die Verewigung auf DVD überhaupt in Angriff genommen wurde. Eben weil Christoph Marthaler bei «Tristan und Isolde» dem Rauschhaften von Wagners Musik mit...