Barock mit Beat
Ein Paukenschlag. Nicht weil David Ma-yoral vom superben Barockensemble L’Arpeggiata zu Beginn und am Ende der Vorgeschichte zum Trojanischen Krieg, die Giovanni Andrea Bontempi unter dem Titel «Il Paride» 1662 «vertonte», die große Trommel rührt. Und auch nicht, weil die Musik des aus Perugia stammenden Kastraten, der bei Virgilio Mazzochi in die Gesangschule ging und das Komponierhandwerk bei Monteverdi und Cavalli lernte, von so überragender Qualität wäre, dass einem die Ohren schon von der Lektüre der unvollständig überlieferten Noten heiß würden.
Sondern weil diese jüngste Barockausgrabung der Potsdamer Musikfestspiele in einer so pulsierenden, perfekt besetzten und intelligent inszenierten Produktion über die Rokokobühne des Neuen Palais ging, dass man die tour d’amour am liebsten gleich noch mal durchmessen hätte. Aber der Reihe nach.
Die Verpflichtung der Arpeggiata-Gründerin Christina Pluhar war gewiss der entscheidende Coup. Die resolute, von der Laute aus dirigierende Österreicherin kennt alle Kniffe des frühbarocken Musizierens und schreckt nicht davor zurück, (oft nur) lückenhaft verfügbares Material nach historisch informierter Herzenslust aufzubereiten. Für das ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Albrecht Thiemann
«Amerika, du hast es besser», schwärmte schon Goethe. Voltaire hätte das ebenso bestritten wie Leonard Bernstein, der aus dessen «Candide» ein – ja, was eigentlich machte? Ein Musical? Eine Revue? Ein Lustspiel mit Musik? Als «comic operetta» wollte er die Satire auf die Leibniz’sche These verstanden wissen, dass das ganze Menschenglück auf Erden zu finden sei....
Zum Abschluss der an entdeckerischem Wagemut wahrlich nicht armen Saison wartete die Oper Frankfurt mit zwei weiteren Premieren abseits des üblichen Repertoires auf. Beide Stücke, Marc-Antoine Charpentiers «Médée» und Aulis Sallinens «Kullervo», spielen in mythischer Vorzeit, also heute. Beide Male, in der 1693 uraufgeführten Barockoper wie in der fast genau...
Die Frage ist jedes Mal dieselbe: Warum eigentlich die Wiederbelebung erst jetzt? Bei «Medea in Corinto» in St. Gallen (Oktober 2009) und München (Juni 2010) war das so, bei «La Lodoïska» in Ingolstadt (September 2010) und nun auch bei «Amore non soffre opposizioni». Eine Simon-Mayr-Konjunktur mag noch frommer Wunsch sein, die nach dem Komponisten benannte...
