Ausgegraben, angestaubt
Die Ära der romantischen Belcanto-Oper hat Konjunktur. Immer neue abgelegene Werke kommen ans Licht, die Lücken füllen, das bereits bekannte Repertoire aber nicht zwingend aufwerten – das gilt jedenfalls für drei aktuelle Veröffentlichungen von Live-Aufnahmen der jüngsten Zeit.
Gioacchino Rossini konnte mit seiner für Rom komponierten Opera seria «Adelaide di Borgogna» (1817), ein Werk über die Befreiung Adelheids von Burgund durch Kaiser Otto den Großen, nicht mehr als einen Achtungserfolg erringen.
Nach 1825 soll das Stück nirgends mehr gespielt worden sein. Dabei fehlt es der Musik nicht an Einfallskraft und gelegentlich tragischem Pathos. Vor ein paar Jahren hat Opera Rara den Mitschnitt einer konzertanten Aufführung herausgebracht. Die szenische Reprise in Pesaro war demnach eine echte Ausgrabung – aber keine Neubelebung. Pier’Alli pflegt einen musealen Inszenierungsstil, schablonenhaft, mit rudimentärer Personenführung. Die Langeweile des szenischen Geschehens wird durch simultane Videoprojektionen aufgemotzt. Daniela Barcellona wirkt als Ottone in Rüstung und Helm unfreiwillig komisch, und Jessica Pratt muss sich als Adelaide in affektierten Posen winden. Gesanglich und ...
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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Ekkehard Pluta
Natürlich drehte sich wieder alles um ihn. Um den Tenorissimo a. D., der auf seine alten Tage mit aller Macht ins Bariton-Fach drängt. Schon zu Beginn der Neunzigerjahre hatte Plácido Domingo zum ersten Mal tieferes Terrain erkundet – im Tonstudio, als Rossinis Figaro für die DG-Aufnahme des «Barbiere». Im November 2007 folgte an der Met Glucks Orest, zwei Jahre...
Unter den aktiven Countertenören unserer Zeit zählt der 1955 geborene Dominique Visse schon zu den Veteranen. Bereits Mitte der 1970er-Jahre machte er als Solist in der Alte-Musik-Szene auf sich aufmerksam, 1978 gründete er das Ensemble Clément Janequin, das sich auf Musik der Renaissance spezialisierte und immer noch existiert. Auch auf der Opernbühne konnte Visse...
Humor, Witz, Spaß – mit dem Komischen tut sich die Musikavantgarde meist schwer. Lacher sind nur erlaubt, wenn sie im Halse stecken bleiben. Wenn sie schwarz klingen, schwer, verquer. Dada war gestern. Der heilige Ernst strukturellen Denkens, so scheint es, schluckt allzu oft die Lust auf intelligenten Schabernack. Experiment und heiterer Esprit, Komplexität und...
