Aus und vorbei!

Das Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg wird zum Ende der Saison endgültig mit dem RSO Stuttgart zwangsvereint. Nach 70 erfolgreichen Jahren. Ein Wutanfall von HEINZ W. KOCH

Opernwelt - Logo

Anfang Mai gab es in Freiburg ein kleines Festival. Vier Abende. Auf dem Programm: Kurtág und Webern, Messiaen und Bernd Alois Zimmermann, Varèse und, zum Schluss, der c-Moll-Stoß von Beethovens «Fünfter». Eine Wahl mit Bedacht. Das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, wie es seit einer Weile etwas holprig heißt, feierte Geburtstag: 70 stolze Jahre. Niemand kann die Zahl der Uraufführungen herzählen, die wir diesem Parade-Orchester der Neuen Musik verdanken. Sind’s 300, sind’s 400? Noch mehr? Aus und vorbei. Zum Ende dieser Spielzeit wird das Ensemble plattgemacht.

Wer bisher nicht wusste, was Zynismus ist – jetzt weiß er’s. Man kann den empörenden Vorgang auch gewählter in Worte kleiden: Das Orchester wird mit dem Radio-Sinfonieorchester, dem Stuttgarter Ensemble des SWR, fusioniert. Aber eben auf Teufel komm raus, ohne dass man je von triftigen künstlerischen Argumenten für diese Zwangsvereinigung gehört hätte. Es geht allein ums Geld. Um zehn Millionen Euro, die der Sender pro Jahr einsparen will. Obwohl die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten so viel Gebührengelder einnehmen wie nie zuvor. Obwohl 30 000 Unterschriften gegen die Fusion gesammelt wurden. Obwohl ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Heinz W. Koch

Weitere Beiträge
Infos

JUBILARE

1926 in Melbourne geboren, schloss Denis Vaughan 1947 an der Universität seiner Heimatstadt ein Musikstudium ab und setzte seine Ausbildung mithilfe eines Stipendiums am Royal College of Music in England fort, wo er Orgel und Kontrabass studierte. 1950 trat er dem Royal Philharmonic Orchestra unter Thomas Beecham bei, bevor er zum Assistant Conductor und...

Liebeskrieg in Wellblechhalle

Mit seinen 27 überlieferten Partituren ist der Venezianer Francesco Caval­li der Operngroßmeister zwischen Monteverdi und Alessandro Scarlatti. Richtig heimisch geworden auf der modernen Bühne ist er seit seiner Wiederentdeckung in den 1960er-Jahren dennoch nicht. Dabei erweist jede Begegnung mit einer seiner Opern, dass sie hinter dem «Ulisse» und der «Poppea»...

Rares nach Shakespeare

Dieser Tage jährte sich zum 400. Male der Todestag des Dichters aus Warwickshire, der England als Kulturnation so recht auf die Landkarte setzte. Gern wird ja angezweifelt, dass es tatsächlich dieser Handschuhmachersohn mit Namen William Shakespeare war und nicht eine der fiktiven Figuren, die im von Literaturdetektiven im Laufe der Zeit als Alternativautoren...