Aus dritter Hand
Die Castorf-Epigonen gehen um. Zwei lebendige Momente hatte Benedikt von Peters Inszenierung von Händels «Teseo» (1713) an der Komischen Oper immerhin: Der eine ereignete sich nach fünfundvierzig Minuten, als zu den Klängen der feierlichen Ouvertüre der Eiserne Vorhang hochfuhr und den Blick auf das verregnet-morastige Schlachtfeld vor Athen freigab. Die Ouvertüre wurde zwischen den ersten und zweiten Akt verlegt, um das pathetische Bild trostloser Schönheit, schöner Trostlosigkeit zu ermöglichen.
Als die Zauberin Medea nach einer weiteren Stunde die Insassen des Kriegsbunkers laut Display aus dem Morast in eine «Wüste» versetzte und sich zu diesem Zweck eine Waggonladung Heilschlamm über den Köpfen der Bedauernswerten entlud, erweckte der Dschungel-Camp-Gag den unter der bleiernen Kunstanstrengung dahindämmernden Zuschauerraum immerhin sekundenweise zu heiterem Leben.
Von Peter (Götz Friedrich-Preis 2007; Heidelberg, Berlin, demnächst Frankfurt) möchte mit Händels Libretto vorführen, wie Krieg die Menschen seelisch verwüstet. Dazu zeigt er sie erst in einer «Huis clos»-Situation im Kommandobunker, dann in einem «Mutter Courage»-Setting auf dem Schlachtfeld. Nach dem Sieg – der ...
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Ursula Nusser: Herr Mösch, stehen wir vor einer Karajan-Renaissance?
Stephan Mösch: Das würde ich nicht sagen. Solche Jubiläen haben ja immer viel mit medialem Geklingel zu tun. Ich denke, es ist wichtig, Karajan aus dem Abstand heraus zu sehen. Wir brauchen zu diesem hundertsten Geburtstag weder eine Verherrlichung noch eine Verdammung oder Verachtung Karajans....
Zum Finale der jüngsten Premiere regnete es rote Rosen aus dem Schnürboden. Da waren nämlich der König und die Blumenverkäuferin mit dem demokratischen Rückenwind von Volkes Stimme auch ganz offiziell ein Paar geworden. Vorher gab es im Operettenstaat Portowa zunächst das Greisenregime einer herrischen Regentin, eine falsche Revolution und einen...
Es gerät leicht in Vergessenheit, dass die Titelpartie von Richard Strauss’ «Elektra» nicht nur ein Vehikel für hochdramatische Soprane ist, sondern zu mindestens fünfzig Prozent aus lyrischen Passagen besteht. Nicht nur die durchdringenden «Agamemnon»-Rufe, sondern auch die zaghaft aufblühende Hoffnung der Orest-Szene prägen den Charakter der Atriden-Prinzessin,...
