Aus dem Leben eines Taugenichts

Mal ehrlich: Christopher Gillett beim Applaus

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Die anderen an den Händen fassen. Gegen das Scheinwerferlicht an die Rampe laufen, lächeln, sich verbeugen. Wieder zurück. Noch einmal. Und noch mal.

Ob mir das wohl fehlt, wenn ich irgendwann aufhöre? Mal ehrlich, Applaus bringt nicht immer das Beste im Menschen zum Vorschein. Erstaunlich, wie schamfrei manche Kollegen um den besten Platz in der Applausordnung rangeln. Dabei kann man die Meinung des Publikums dabei ja wohl kaum noch nach oben korrigieren. Also, ich jedenfalls nicht. Oder liegt das nur daran, dass ich es falsch mache?

Es gibt ja diese Applaustypen.

Zum Beispiel den Sterbenden Schwan, äh, Sopran. Sehr beliebt bei Cio-Cio-Sans. Das gesamte Ensemble ist schon draußen, nur die Primadonna nicht. Aller Augen warten auf dich, Herrin! Und dann – da! Endlich. Sie kommt. Schleppt sich herein, als ginge es schier über ihre Kräfte nach all den großen Gefühlen. Wenn das Publikum zu to­ben beginnt, fabriziert sie einen naiv-erstaunten Gesichtsausdruck, wie um zu fragen: «Was, ich?». Und lässt sich ermattet in einen tiefen Knicks fallen. Seeeehr tief. So tief, dass man glatt glaubt, sie schafft’s nie wieder hoch.

Oder der Held in Strumpf­hosen, die Hosenrolle. Eine stramme Mezzo ...

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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Mal ehrlich, Seite 91
von Christopher Gillett

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