Aufgefrischt und konserviert
Mit seiner dritten Oper, der abendfüllenden zweiaktigen Farce «L’equivoco stravagante» (Das wunderliche Missverständnis), hatte der erst 19-jährige Gioacchino Rossini wenig Glück. Die Behörden in Bologna, wo das Stück herauskam, stießen sich an den erotischen Freizügigkeiten des Textes von Gaetano Gasbarri wie an dem Plot selbst. Nach nur drei Aufführungen wurde die Oper vom Spielplan genommen. Für den Komponisten war das eine schlimme Erfahrung, denn er hatte alle seine damals schon beträchtlichen Talente in diese Arbeit gesteckt.
Heute kann man nur staunen über die frühreife Souveränität im Aufbau der Ensembles und das handwerkliche Geschick im Mixen disparater Stile. Pastorale und romantische Elemente vermischen sich mit burlesken und buffonesken.
Das damals inkriminierte Libretto schockt heute niemanden mehr, stattdessen kann man den Aberwitz der Handlung und die witzigen Dialoge goutieren. Der arme Ermanno versucht seinen reichen Nebenbuhler Buralicchio außer Gefecht zu setzen, indem er ihm weismachen lässt, seine Zukünftige Ernestina, Tochter des neureichen Großbauern Gamberotto, sei in Wahrheit ein Kastrat, der in Frauenkleider gesteckt wurde, um dem Militärdienst zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Viel zu tun bleibt für Macduff nicht mehr. Eingesunken in seinen Rollstuhl, zitternd und am lebendigen Leib von Geschwüren zerfressen, ist sein Feind Macbeth schon am Ende, bevor der Sieger zum finalen Schlag ausholt. Nicht die Rebellen sind es, die den Usurpator in Krzysztof Warlikowskis Inszenierung an der Brüsseler Monnaie-Oper für seine Gewalttaten bestrafen –...
Das Versprochene trat zwar nicht ein – dafür gab es eine Strauss-Erfüllung ganz anderer Art. Weniger apokryph: Das «Salome»-Parlando, dessen betonte Pflege Christoph von Dohnányi in Aussicht gestellt hatte, verflüchtigte sich in Zürich bald – dazu geriet der orchestrale Part zu massiv, gingen die Forte-Wogen zu häufig hoch. Doch unter diesem Vorzeichen gelang seine...
Herr Decker, im Vorwort des neuen Ruhrtriennale-Programmhefts schwärmen Sie von der magischen Atmosphäre der alten Industriearchitektur. Nun denkt man bei Gebläse- und Maschinenhallen erst mal nicht an das Schwerpunktthema des Festivals: den Islam.
Man muss sich vergegenwärtigen, wo diese Hallen stehen. Das Ruhrgebiet ist eine Region, die stark durch Migration...
