Aufgedreht
Giuseppe Verdis «Ernani» ist eine äußerst krude Geschichte um Liebe, Verrat, Verschwörung und Rache, deren geringe Plausibilität eine größere Verbreitung verhindert hat. Dabei besitzt Verdis fünfte Oper musikalisch schon fast alles, was die späteren Werke auszeichnet: herrliche Melodien, eine raffinierte Instrumentierung und eine schon recht differenzierte Auslotung von Charakteren und Stimmungen.
Der Dirigent Marcus Bosch hat sich mit seinem Projektorchester Cappella Aquileia für die Opernfestspiele in Heidenheim an der Brenz einen idealen Klangkörper für seine verdienstvolle, langfristig angelegte Erkundungsreise in die Klangwelt des frühen Verdi geschaffen. Im vergangenen Jahr wurden «Nabucco» und «I Lombardi» aufgeführt, diesmal war «Ernani» an der Reihe, 2020 geht es mit «I due Foscari» weiter, zusammen mit einem «großen» Verdi: «Don Carlo».
Im Festspielhaus, dem Congress-Centrum, wird gerne leidenschaftlich gesungen und eifrig forciert. Bei den beiden Vorstellungen von «Ernani» sangen sich die Solisten die Seele aus dem Leib. Sung Kyu Park drehte als Titelheld, der sich wundersamerweise vom Banditen zum Herzog wandelt, mit kernig-metallischem Timbre von Anfang an mächtig ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Panorama, Seite 63
von Josef Oehrlein
Seit 2016 zeigt die wiederhergestellte New York City Opera im «Pride»-Monat Juni thematisch passende Bühnenwerke. Dieses Jahr feierte die LGBTQ-Szene mit mannigfaltigen Veranstaltungen den 50. Jahrestag des Aufstands gegen gesetzliche Diskriminierung und Polizeiverfolgung bei einer Razzia in der «Stonewall»-Bar – und die NYCO beteiligte sich mit zwei...
I.
73 Meter unter der Erdoberfläche stehen wir, fröstelnd – und verstehen alles besser. Zu sehen ist nicht viel. Feuchte Felswände. Eine schwere Eisentür, wie zu einem Tresor. Gemauerte Sperren in diffusem Licht. Dahinter liegt die Grenze. Der schmale Tunnel, durch den wir – mit eingezogenem Kopf – hierher gekommen sind, wurde von Nordkorea aus gebaut. Alle paar...
Der Bach-Biograf Philipp Spitta verglich Spontinis «Olimpie» mit Wagners «Ring». Und das erscheint als nicht zu hoch gegriffen, denn der Komponist treibt in diesem so monströsen wie düsteren Werk, seiner letzten französischen Tragédie-lyrique, den Monumentalstil des Klassizismus zu einer dramatischen Ausdrucksintensität, die weit in die Zukunft weist – die...
