Auf und ab und alles rund
Einakter sind Stiefkinder des Opernbetriebs. Wirklich?! Wären sie wirklich gut – wie im Fall von «Cavalleria rusticana» und «Bajazzo» –, würden sie den Weg in die großen Opernhäuser schon finden. So könnte man jedenfalls sagen. Starke Einakter von «Salome» bis «Erwartung», von Zemlinskys «Zwerg» bis zu Ravels «L’Heure espagnole» haben sich in ihrer Wirkung nie behindern lassen. Und das, obwohl ein wichtiger Teil fehlt, die Pause.
Seit dem Beginn der Intendanz von Serge Dorny in Lyon 2003 schlägt im dortigen, durch Jean Nouvels Umbau berühmt gewordenen Opernhaus auch ein Herz für Einakter. Und zwar im Doppelpack. Schon 2007 verkuppelte man Werke wie Bizets «Djamileh», Poulencs «Voix humaine» (mit Felicity Lott), Sciarrinos «Luci mie traditrici» und Bartóks «Blaubart» (inszeniert von Laurent Pelly) miteinander. Ergebnis: Nicht einer kommt durch, sondern immer beide. Auch an Abenden, die durch zwei unabhängige Teile zu zerfallen drohen, wird die Unterbrechung keineswegs zum Gehen benutzt. Sondern zum Bleiben.
Jetzt legte man das Erfolgsmodell neuerlich auf. Mit dem von David Pountney damals inszenierten «Tabarro» (ehemals mit Laurent Naouri) und Georges Lavaudants Inszenierung der ...
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Opernwelt März 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Kai Luehrs-Kaiser
Bücher beherrschen die Szene. Stefan Heyne entwarf zwei riesige, haushoch-halbrunde Bibliothekswände: das gespeicherte Wissen der Menschheit. Der Band mit dem Schwanenbild fällt indes vom Himmel. Der herbeigebetete Held streckt seinen Widersacher mit einem Buch nieder. Aber: Bücher kann man auch schänden, verbrennen. Sobald der Weg ins allgemeine Heil geebnet...
Dass fast alle von vornherein verloren sind, wird schnell klar. Ausstatterin Annemarie Woods, die 2011 (mit anderem Regiepartner) zwei wichtige Nachwuchspreise gewann, lässt den Figuren kaum Raum für Entfaltung – weder in ihrer zwischen Surrealismus und Expressionismus schwankenden Bühne noch in ihren historisierenden Kostümen, die das Stück ins frühe 20....
Er darf als Universalgelehrter im besten Sinne gelten: der 1946 in Venedig geborene Dirigent und Komponist Giuseppe Sinopoli, der im Jahre 2001 während einer «Aida»-Vorstellung am Pult der Deutschen Oper Berlin einem Herzinfarkt erlag. Bestens vertraut mit der Weltliteratur, deren Werke er seit seiner frühen Jugend in mehreren modernen wie klassischen Sprachen im...
