Auf Grund gelaufen
Das Stück berührt immer noch. In der als inszeniertes Konzert angekündigten Aufführung von Henzes Dokumentar-Oratorium «Das Floß der Medusa» in der Bochumer Jahrhunderthalle gerät das Werk allerdings in seichtes Gewässer und läuft, um im Bild zu bleiben, ähnlich spektakulär auf Grund wie die Fregatte «Medusa» 1816 bei dem Versuch, den Senegal für Frankreich zurückzuerobern. Während sich damals die Oberen auf die Boote retteten, überließen sie das gemeine Volk – die «Allzuvielen», wie sie im Libretto heißen – auf einem schnell gezimmerten Floß dem Schicksal.
Die wenigen Überlebenden wurde erst nach 13 Tagen zufällig von einem Schiff aufgelesen – Boatpeople wie die jetzt im Mittelmeer treibenden Flüchtlinge, allerdings in umgekehrter Richtung. Théodore Géricault hat diesen Moment in einem monumentalen Gemälde festgehalten, dessen aufrührerisches Pathos Henze bei der Komposition vor Augen stand. Er ergreift Partei für die Opfer, aber poetisch, nicht agitatorisch. Die Schönheit der Musik kann ihre politisch-revolutionären Aussagen – «belehrt von Wirklichkeit, fiebernd, sie umzustürzen», wie es im Schlusswort des Sprechers heißt – nicht aufheben.
Zur Aktualisierung taugt das Che ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Uwe Schweikert
Zum Prädikat «letztgültig» hat es nicht mehr gereicht. Die «Uraufführung» 1959 in Moskau, sechs Jahre nach dem Tod Sergej Prokofjews, ist eher als Director’s Cut einzuordnen. Und wer weiß, was noch geworden wäre: ein, zwei Bilder weniger? Eine Straffung und Glättung, damit verbunden eine Verharmlosung der Tonsprache? Oder, angesichts des heraufdämmernden...
Es ist nicht zuletzt ihr Schalk, der Montserrat Caballé unvergesslich macht. Als sie einmal in Köln die Marschallin im «Rosenkavalier» sang, galt deren am Ende des ersten Akts angekündigter Besuch beim Onkel Greifenklau nicht diesem, sondern einem Oheim Drachenfels (für Nicht-Rheinländer: So nennt sich ein beliebter Ausflugsort am Rhein nahe Bonn). Und als Salome...
Glücklich das Haus, das ein solches Stück mit eigenen Kräften besetzen kann; unglücklich jedoch, wenn es ein Regieteam engagiert, das diesen Kräften durchweg misstraut. Pantomimische und tänzerische Duplikate sind mittlerweile fast schon zur Regel geworden, auch haben wir uns längst an Simultanhandlungen auf der Leinwand gewöhnt, die entweder das Bühnengeschehen...
