Auf Grund gelaufen

Kornél Mundruczó unterschätzt in der Bochumer Jahrhunderthalle den Tiefgang von Hans Werner Henzes «Floß der Medusa»

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Das Stück berührt immer noch. In der als inszeniertes Konzert angekündigten Aufführung von Henzes Dokumentar-Oratorium «Das Floß der Medusa» in der Bochumer Jahrhunderthalle gerät das Werk allerdings in seichtes Gewässer und läuft, um im Bild zu bleiben, ähnlich spektakulär auf Grund wie die Fregatte «Medusa» 1816 bei dem Versuch, den Senegal für Frankreich zurückzuerobern. Während sich damals die Oberen auf die Boote retteten, überließen sie das gemeine Volk – die «Allzuvielen», wie sie im Libretto heißen – auf einem schnell gezimmerten Floß dem Schicksal.

Die wenigen Überlebenden wurde erst nach 13 Tagen zufällig von einem Schiff aufgelesen – Boatpeople wie die jetzt im Mittelmeer treibenden Flüchtlinge, allerdings in umgekehrter Richtung. Théodore Géricault hat diesen Moment in einem monumentalen Gemälde festgehalten, dessen aufrührerisches Pathos Henze bei der Komposition vor Augen stand. Er ergreift Partei für die Opfer, aber poetisch, nicht agitatorisch. Die Schönheit der Musik kann ihre politisch-revolutionären Aussagen – «belehrt von Wirklichkeit, fiebernd, sie umzustürzen», wie es im Schlusswort des Sprechers heißt – nicht aufheben.

Zur Aktualisierung taugt das Che ...

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Opernwelt November 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Uwe Schweikert

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