Auf der Suche nach dem Unsagbaren

Was ist eigentlich ein Melodram? Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hatte sie Hochkonjunktur. Schönbergs «Pierrot lunaire» beweist, dass das Melodram auch von der Avantgarde ernst genommen wurde.

Opernwelt - Logo

In der Oper wird gesungen, im Melodram wird gesprochen. Schon lange hat sich diese merkwürdige Gattung aus dem breiten Musikleben verab­schiedet, wäh­rend die Oper als künstlerische Ausdrucksform nicht totzukriegen ist. Viele kennen Melodramen heute nur noch als experimentelle Werke – wie Schönbergs «Pierrot lunaire», der 1911 das Tor zur Moderne weit aufstieß. Vergessen ist das Melodram als Repräsentationskunst des deutschen Bürgertums, wie es sich um 1900, aber auch schon lange davor großer Beliebtheit erfreute.

Dass sich der Zeitgeschmack seit der letzten Blüte des Melodrams vor hundert Jahren geändert hat, liegt auf der Hand. Der Geschmack änderte sich, weil sich die Gesellschaft änderte. Was waren es für Künstler, was für ein Pub­likum, das da zu melo­dramatischen Rezitationsabenden, zu abendfüllenden Bühnenmelodramen ins Theater strömte und das geradezu sein ganzes Lebensgefühl in diesen Werken bestätigt fühlte?

s war ein ziemlich ungewöhnliches Stück, das da im Januar 1897 über die Bühne des Münchner Hoftheaters ging. «Königskinder. Ein deutsches Märchen» war angesetzt, geschrieben von einem gewissen Ernst Rosmer. Hinter dem Pseudo­nym, das war in der Presse bekannt, verbarg ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2008
Rubrik: Thema, Seite 38
von Matthias Nöther

Vergriffen
Weitere Beiträge
Bis du weißt, um was es sich handelt...

Christa Ludwig, auch als Liedsängerin eine der Großen des 20. Jahrhunderts – im März wird sie achtzig –, zitiert im Gespräch über den Liedgesang gern einen Ausspruch ihrer Mutter und Lehrerin. «‹Ich hoffe›, hat sie zu mir gesagt, ‹dass du dir die Stimme so lange behältst, bis du weißt, um was es sich handelt.› Dieses ‹bis ich weiß, um was es sich handelt› heißt,...

Marathon Man

Mit «Marathon Man» verbindet man in der Regel Dus­tin Hoffman im gleichnamigen Film, oder aber Haile Gebrselassie, den Weltrekordler auf dieser klassischen Laufstrecke. Doch nicht vom Abzählen der 42,195 Kilometer, vom eintönigen, mechanisch aus dem Steiß entwickelten Trott sei hier die Rede, sondern von der eleganten Bewegung aus den Schultern heraus, vom präzise...

Rolle des Lebens

Die Wiederkehr von Jacques Fromental Halévys «La Juive» auf die internationale Opernszene ist untrennbar mit dem Namen Neil Shicoff verbunden. Der amerika­nische Tenor hat den Eléazar erstmals 1999 in Wien gesungen und die Rolle des zwischen der Liebe zu seiner Ziehtochter Rachel und dem Hass auf die Christen zerrissenen Juden seither an vielen großen Opernbühnen...