Auf den Spuren E. A. Poes
In Heidelberg hat sich die neue Intendanz entschieden, in jeder Saison «die spannendste neue Oper des letzten Jahres» zu präsentieren. Den Anfang macht man nun mit «Berenice», uraufgeführt bei der Münchener Biennale 2004 (siehe OW 7/2004). Der junge österreichische Komponist Johannes Maria Staud und sein Librettist, der renommierte Lyriker Durs Grünbein, haben sich dabei einer Novelle von Edgar Allan Poe angenommen: Literaturoper. Und weil die Sache zudem in einer alten Bibliothek spielt, befürchtet man zunächst viel Staub. Doch die Geschichte erweist sich als operntauglich.
Egäus ist ein blasser Jüngling, der zusammen mit seiner attraktiven Cousine auf einem ehrwürdigen Familiensitz lebt. Er vertieft sich in die alten Folianten statt in die junge Berenice. Sie leidet, er merkt’s nicht. Erst als sie schwer erkrankt und abgezehrt ist, erinnert er sich ihrer Reize. Weil nur ihre Zähne unverändert schön sind, steigert er sich in einen Zahnfetischismus hinein. Das Ergebnis ist grausig: Während er sich an das Kästchen klammert, in dem er ihre zweiunddreißig makellosen Kauwerkzeuge verwahrt, berichtet ein Bediensteter «von der Schändung des Grabes, von dem entstellten, aus den ...
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Dass Bizets Carmen uns nicht nur auf der Bühne, sondern auch auf der Kinoleinwand begegnet, ist wahrlich kein neues Phänomen. Schon 1954 hatte Otto Preminger den Stoff für einen abendfüllenden Spielfilm mit Dorothy Dandridge in der Titelrolle und dem jungen Harry Belafonte als Don José adaptiert. Von den Armenvierteln Sevillas um 1820 verlegte Preminger die...
Herbert Wernicke hätte es wohl gefallen, dass sein Basler Bühnenbild für den ersten Teil von Händels «Israel in Egypt», das letzte, das er vor seinem Tod im Frühjahr 2002 noch entwerfen konnte, in der Jubiläums-Inszenierung der «Lustigen Witwe» in Hannover konserviert und produktiv weiterentwickelt wird. Mit dem Zuschauerraum des Bayreuther Festspielhauses auf...
Die legitime Erbin der von Spontini in die Welt gesetzten Vestalin war ein Erfolg sondergleichen. Doch wie so viele Werke des 19. Jahrhunderts, die den Zeitgeist trafen und das Publikum in Scharen anlockten, geriet auch Saverio Mercadantes «La Vestale» in Vergessenheit, obwohl sie nach der Uraufführung am 10. März 1840 in Neapel binnen fünf Jahren in Paris, Wien,...
