Assoziationen, Beziehungen, Analysen
Ian Bostridge ist nicht der erste Liedersänger, der sich als Autor profiliert. In Lotte Lehmann, Charles Panzéra, Aksel Schiøtz, Pierre Bernac und nicht zuletzt Dietrich Fischer-Dieskau hat er prominente Vorgänger, die sich auch schriftstellerisch mit dem Gegenstand ihrer Kunst befasst haben. Dabei kommt es dem englischen Tenor nicht so sehr darauf an, seinem Publikum zu erklären, was er als Sänger tut.
Gewiss greift er auf die Erfahrungen eines Künstlers zurück, der Schuberts «Winterreise» während der letzten 20 Jahre mehr als 100-mal im Konzert gesungen hat und dadurch immer tiefer in die musikalischen Geheimnisse, die emotionalen Abgründe, aber auch die existenziellen Voraussetzungen dieser Lieder eingedrungen ist. Doch sein Hauptinteresse gilt dem Ziel, das kulturgeschichtliche Beziehungsnetz hinter den einzelnen Liedern des Zyklus zu entschlüsseln – seine Ursprünge, seinen historischen Kontext, die vielfältig nuancierten Stimmungen und Gefühle freizulegen und ihn biografisch, literarisch, politisch, psychologisch von allen Seiten zu beleuchten. Der Leser benötigt keine musikwissenschaftliche Vorkenntnisse. Er sollte nur eine der vielen Aufnahmen des Zyklus – ich empfehle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Uwe Schweikert
Ein Dorf in Süditalien haben Bühnenbildner Paolo Fantin und Regisseur Damiano Michieletto für Mascagnis «Cavalleria rusticana» und Leoncavallos «Pagliacci» an Covent Garden skizziert. Keinen Postkartenort, sondern eine schmuddelige Siedlung in einer wirtschaftlich maroden Gegend, mit Satellitenschüsseln als Fassadenschmuck und bröckelndem Putz. Man ahnt, wie sich...
Erst 1999, mehr als drei Jahrzehnte nach ihrer Uraufführung, fand Astor Piazzollas «María de Buenos Aires» den Weg auf eine deutsche Bühne. Katja Czellniks Kieler Inszenierung (siehe OW 12/1999) galt als durchaus exemplarisch. Diesen Rang dürfte ihr die von Andreas Kriegenburg verantwortete Bremer Produktion des Werks nun streitig machen. Denn sie hat, was...
Die Gedanken sind frei. Sie fliehen, wie man weiß, vorbei wie nächtliche Schatten. Und so darf man wohl entschuldigen, dass uns während der Aufführung von Brittens «Peter Grimes» im Theater an der Wien ausgerechnet Karl Valentin in den Sinn kommt. Der bemerkte einmal hintersinnig: «Heute besuche ich mich selbst. Ich bin schon neugierig, ob ich zu Hause bin ...» Wir...
