Apropos ... Theodora
Herr Mehta, nicht wenige Musiker halten «Theodora» für Händels bestes Werk – dennoch wird es nicht gerade häufig aufgeführt. Wie erklären Sie sich das?
«Theodora» enttäuscht erst mal alle, die den Donner und Blitz und die großen Koloraturfeuerwerke von Händels italienischen Opern erwarten. Die Qualitäten liegen eher in der Tiefe und Nachdenklichkeit. Für mich ist es sozusagen Händels «Parsifal» – und genauso himmlische Musik.
Sie singen die Rolle des Märtyrers Didymus, der aus Liebe zu Theodora mit ihr in den Tod geht.
Ist das nicht ein wenig langweilig, nur gut und sittsam sein zu dürfen?
Ich sehe in dieser Rolle eine charakterliche Entwicklung – außerdem sind die Arien von Tempo und Stimmung her ganz unterschiedlich. Für mich ist dieser Soldat nur zu den Christen gegangen, weil er sich in Theodora verknallt hat, ähnlich wie viele junge Männer, die in der McCarthy-Ära als Kommunisten angeklagt wurden, obwohl sie nur eines Mädchens wegen zu den Parteizusammenkünften gegangen waren. Erst im Laufe des Stücks entdeckt er seinen Gott.
Allzu offensichtlich ist dieser Spannungsbogen allerdings nicht.
Okay, wenn man nur die Oberfläche anschaut, könnte man denken, dass in «Theodora» fast ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
Countertenöre in der Neuen Musik
Ein Pionier der Countertenöre: Alfred Deller
Ob Ungarns derzeitiger Kultusminister István Hiller 2005 in Pécs war, als man dort das Trauerspiel «Uriel Acosta» des Berliners Karl Gutzkow (1811-1878) in neuer Übersetzung gab, wissen wir nicht. Doch das bekannteste Zitat daraus dürfte er kennen: «Alles schon da gewesen». Notorisch geläufig mag ihm der Spruch vielleicht auch im Zusammenhang mit der Budapester...
Ihre Treue wurde der «Nymphe» bisher kaum gelohnt: Obwohl die 1732 zur Eröffnung des neuen Theaters von Verona komponierte «Fida ninfa» lange Zeit die einzige in einer modernen Edition zugängliche Vivaldi-Oper war, hatte das keine ernst zu nehmende Gesamteinspielung zur Folge. Selbst die Chance der hochkarätig besetzten Produktion bei den Potsdamer Musikfestspielen...
Zu Händels Lebzeiten eine seiner meistgespielten Opern, hat der 1727 uraufgeführte «Admeto» bisher nur eingeschränkt vom großen Händel-Revival profitieren können. Zwar erschien schon in den siebziger Jahren eine Gesamtaufnahme auf historischen Instrumenten, doch eine Breitenwirkung ging von dieser Einspielung ebenso wenig aus wie von gelegentlichen...
