Apropos... Senkrechtstarter
Herr Nézet-Séguin, Sie sind wahrscheinlich der erste Dirigent seit «Lenny» Bernstein, den das Publikum beim Vornamen nennt. Wie erklären Sie sich dieses Liebesverhältnis?
Damit, dass mein Nachname für das amerikanische Publikum zu schwer auszusprechen ist. Alle nennen mich Yannick. Ich bin aber nicht der Einzige. Auch «Gustavo» Dudamel in Los Angeles steht für einen Image-Wandel. Hat man nicht Karajan in Berlin auch «Herby» genannt?
Er wird es gehasst haben.
Mit Karajan verbindet Sie – neben dem Senkrechtstart –, dass Sie nicht sehr groß sind. Ein Vorteil?
Ich bin guter Durchschnitt. Auf Antonio Pappano musste ich sogar herabschauen. Also kniete ich vor ihm! Meine erste Lektion als Chor-Dirigent in Montréal, als ich 14 Jahre alt war, bestand in der Einsicht: Du musst größere Bewegungen machen. Man muss sich optisch durchsetzen.
Gemeinsamer Star Ihres Mozart-Zyklus ist Rolando Villazón – auch bei der neuen «Così fan tutte». Wonach suchen Sie Sänger aus?
Ich habe darauf geachtet, keine «Met-Sänger» zu nehmen! Sondern lyrische Stimmen. Für lange Phrasen! Nur so kommt Leidenschaft rüber. Ich finde oftmals zu viel Brahms in Mozart. Und zu viel Verdi in Monteverdi. Man darf sich nicht zu ...
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Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: Magazin, Seite 103
von Kai Luehrs-Kaiser
Welch ein Finale! Ein berückendes Streicherflirren, ein opalisierendes Flimmern, ein Farbenfunkeln im verschwebenden Pianissimo, unterwegs ins Wesenlose. Lautenklang mischt sich drein, Schalmeienton, Oboenkringel, vor allem aber die altertümlich, ja, fast exotisch wirkende Viola pomposa. Und: Frauenstimmen von fern. Ein immerzu changierendes Band der Tonpoesie....
Es gibt ein Nachspiel. Da steht der Regisseur Frank Castorf im Buhgewitter vor dem Vorhang des Bayreuther Festspielhauses und steht und steht. Er will einfach nicht abgehen, schaut auf die Uhr, schaut auf die wütende Menge, zeigt ihr den Vogel. Will er etwas sagen? Das Publikum will es jedenfalls nicht hören. Immerhin hatte Castorf sechzehn Stunden Zeit, alles zum...
Das ist doch was. Da steht man mitten in Richard Wagners großem Salon, es riecht nach Holz und Mauerwerk, der Putz ist ab, der Stuck löchrig und der Boden bedeckt mit Staub und Plastikplanen. Von dort schaut man auf Vitrinen und Videoanimationen: lauter realisierte und nicht realisierte Luftschlösser. «Götterdämmerung» heißt die Ausstellung in der Villa Wahnfried....
