Apropos... Hosenrollen

Drei Jahre liegt die «Rosenkavalier»-Affäre in Glyndebourne zurück. Für TARA ERRAUGHT, damals in der britischen Presse wegen ihrer angeblich unvorteilhaften Kostümierung verspottet, ist das noch sehr präsent. Doch die irische Mezzosopranistin hat auf ihre ganz eigene, selbstironisch-unkomplizierte Art alles bewältigt und eingeordnet. Und der Lauf der Karriere gibt ihr Recht

Opernwelt - Logo

Sie sind die zehnte Spielzeit fest an der Bayerischen Staatsoper, trotzdem werden Ihnen – man nehme nur gerade den Nicklausse an der Met – immer größere Seitensprünge gestattet.
Es ist die perfekte Mischung. Ich habe in München viele wunderbare Rollenchancen bekommen. Und das an einem Haus, an dem ich fast jeden mittlerweile kenne, nicht nur das künstlerische Personal. Was für eine Familie! Der Chor macht zum Beispiel jede Saison eine Thanksgiving-Party. Seit meiner ersten Spielzeit war ich eingeladen.

In diesem Jahr war es etwas schwierig, weil ich zurück nach New York musste. Aber ich habe etwas getrickst. Selbst wenn Herr Bachler meinen Vertrag nicht verlängern würde, bliebe ich in München. Die Bayern sind so halbirisch. Wir sind uns sehr ähnlich.

Aber ist es nicht seltsam? Einerseits die ganz großen Rollen, dann ein Blumenmädchen im «Parsifal»?
Es muss so sein! Ich würde auch die weltweit kleinste Partie singen, wenn Herr Petrenko dirigiert.  

Sie arbeiten regelmäßig mit Brigitte Fassbaender.
Ja – wenn sie Zeit hat.  Ich brauche diese Stunden bei ihr. Nehmen wir meinen Nicklausse an der Met. Ich habe debütiert, alles sehr aufregend, anstrengend, wie ein langer Roadtrip. Und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Gegen den Wind

Bemitleidenswerte Masse. Wo sie in Erscheinung tritt, wird sie, den Bereich der Physik ausgenommen, kritisch unter die Lupe genommen, von Arendt bis Canetti, von Le Bon bis Reich. In seinem Text «Im Schatten der schweigenden Mehrheiten» aus dem Jahr 1978 hat Jean Baudrillard das Phänomen auf den Punkt gebracht. Die Masse sei «Nullpunkt des Politischen», sie sei...

Schöne Aussichten

Kallithea heißt der Stadtteil, in dem Athens neues Opernhaus steht. Kallithea, das bedeutet: Schönblick, oder, wie Renzo Piano gern in seiner Muttersprache sagt, Belvedere. Schön ist der Blick tatsächlich vom Dach des gewaltigen Komplexes, in dem der italienische Star­architekt das neue Gebäude für die Griechische Nationaloper,  die Nationalbibliothek und einen...

Todeszonen

Die Wanduhr steht auf 6:57. Zwei, drei, vielleicht fünf Minuten, dann wird es vorbei sein. Von der Seite schauen Wachleute ungerührt zu dem Mann herüber, der, auf einer Pritsche festgeschnallt, noch mal den Kopf hebt und verzweifelt durch das bruchsicher verglaste Fenster blickt, hinter dem eine Gruppe Zivilisten sitzt, stumme Zeugen seiner Hinrichtung. Das...