Apropos ... Händel
Herr Cencic, als Countertenor haben Sie dieses Jahr noch mehr Händel singen müssen als sonst. Ermüdungserscheinungen?
Das nicht, aber schon ein gewisses Bedauern, dass doch nur immer wieder die gleichen Händel-Opern gespielt werden. Warum muss es immer «Giulio Cesare» sein – und nicht mal «Floridante»? Inzwischen sind doch fast alle Händel-Opern in guten CD-Aufnahmen erhältlich – da ist es nicht schwer, sich ein weniger bekanntes Werk auszusuchen.
Beim «Giulio Cesare» haben Sie die Auswahl zwischen drei Counter-Rollen.
Warum singen Sie eigentlich nicht die Titelpartie?
Weil sie mir zu undankbar ist. Cesare ist eine typische Senesino-Rolle, ähnlich wie der Andronico im «Tamerlano»: Man steht viel herum und singt, aber am Ende interessiert es keinen. Deshalb singe ich lieber den Sesto oder wie jetzt in Dresden den Tolomeo: Die Rolle ist zwar kurz, aber man kann alle Register des Fieslings effektvoll ausspielen. Die Uraufführungsinterpretin Margarita Durastanti muss eine ausgezeichnete Darstellerin gewesen sein. Das merke ich immer wieder, wenn ich Rollen singe, die Händel für sie geschrieben hat.
So wie Ihr Kollege Philippe Jaroussky sein Alter Ego im Kastraten Carestini gefunden hat, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Er liebe, sagte der vor allem als Liedsänger bekannte Bariton Christian Gerhaher kürzlich im Gespräch, an diesem Genre das eher Abstrakte – «in dem Sinne, dass es nie ganz fassbar wird». Lieder seien eben keine Kleinstopern. Vielmehr etwas, das sich dem vollkommenen Begreifen schlussendlich entziehe. Oper hingegen müsse erfasst, begriffen werden, sonst mache sie...
Es gibt in der Muppets Show den Gemüsechor und in Wien das nach jedem Auftritt seine Instrumente erneuernde Gemüseorchester, aber ein Gemüsehändler als Opernintendant, das ist neu. Warum nicht? In Italien waren die Impresari, die sich für je eine Spielzeit in die Opernhäuser einmieteten, als Geschäftsleute vor allem für das Drehen der Rouletteschüsseln...
Man glaubt es kaum, aber es muss wohl stimmen: Nikolaus Harnoncourt wird 80. Wenn man ihn in den letzten Jahren mit seinem 1953 gegründeten Concentus Musicus erlebte, sah man einige Weggefährten an den Pulten sitzen, denen Alter und Erfahrung ins Gesicht geschrieben standen. Aber er selbst wirkte alterslos, zupackend, nach wie vor bis in die Haarwurzel von...
