Apocalypse now

Wagner: Siegfried in Washington

Opernwelt - Logo

Ein neuer «Ring» läuft selten sofort rund, zumal wenn ein Haus sich zum ersten Mal an Wagners Opus maximum wagt. Washingtons National Opera etwa musste «Siegfried» in der vergangenen Spielzeit verschieben, Alan Held und Gidon Saks traten stattdessen im «Holländer» auf. Und die «Götterdämmerung» wird im kommenden Jahr nur konzertant zu erleben sein: Francesca Zambello, die den Zyklus 2006 mit «Rheingold» begonnen hatte, inszeniert das Finale zunächst im koproduzierenden San Francisco, bevor der komplette Vierer dann nach Washington geht.


Dass sich «Siegfried» nun als der überzeugendste Teil dieses sogenannten «amerikanischen Rings» erwiesen hat, ist vor allem dem jungen, begabten Schweizer Dirigenten Michael Güttler zu verdanken, der im letzten Augenblick für den erkrankten Heinz Fricke eingesprungen war. Auch wenn die Blechbläser der National Opera noch nicht ganz auf Met-Höhe spielen, unter Güttler wuchs das Orchester deutlich über den eher soliden Klang des kompetenten Wagner-Dirigenten Fricke hinaus. Zudem wirkt Zambellos Regie konzentrierter, die aus den Fugen geratene Welt erscheint hier in den Bildern einer kapitalistischen, von Öl abhängigen und Profitgier getriebenen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2009
Rubrik: Panorama, Seite 50
von David Shengold

Vergriffen
Weitere Beiträge
Referenzaufnahme

Im November 2002 feierte an der Berliner Staatsoper Schostakowitschs «Die Nase» unter Kent Nagano Premiere – eine Aufführung, die vor allem wegen des Bühnenbildes und der Kostüme von Jörg Immendorff größere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Sechs Jahre später gab das Mariinsky Theater unter Valery Gergiev in der Deutschen Oper ein mehrteiliges Gastspiel – auf...

Energie und Bewegung

Kürzlich wurden in Athen Pläne für ein nationales Prestigeprojekt vorgestellt: Renzo Piano wird das neue Kulturzentrum der «Stavros Niarchos Stiftung» in Athen bauen. Der italienische Star-Architekt hatte sich in einem mehr als einjährigen Evaluierungsverfahren gegen seine Konkurrenten aus aller Welt durchgesetzt. In dem Gebäude soll neben der griechischen...

Ideendrama

Ein Mann kehrt heim. Er ahnt, dass er getötet werden wird, und er wird getötet. So hat T. S. Eliot selbst den Inhalt seines Stücks «Murder in the Cathedral» zusammengefasst. Und hier liegt auch der Schlüssel zum Verständnis von dessen anti-dramatischer Natur. Angesichts der bösen Händel weltlicher Mächte muss der wahrhaft Gläubige (sei es die fromme griechische...