Alles so schön brombeerfarben hier
Es ist schon fast eine betriebliche Übung in den Medien unseres Landes: Je näher es auf die Bayreuther Festspiele zugeht, desto niedriger ist die Hürde, die eine Nachricht überspringen muss, um eifrig publiziert zu werden. Da wird schon einmal vermeldet, dass Katharina Wagner privat mit Holz-Pellets heizt. Aber es gab auch Wichtiges wie den ersten Warnstreik der Festspielgeschichte: Nach der Neuformierung der Festspielträgerschaft waren Tarifgespräche notwendig geworden; in letzter Minute wurde ein Abschluss für das nicht künstlerisch beschäftigte Personal erreicht.
Ebenfalls im Zentrum des Interesses: Würden die beiden jüngst so überraschend vereinten Halbschwestern Stoff für Schlagzeilen liefern? Den Gefallen taten sie niemandem. Zwar zeigte sich Eva als Medienmuffel, doch funktioniert das Doppel im ersten Jahr ohne öffentliche Missklänge. Insgesamt scheint der Machtwechsel unaufgeregt vonstatten zu gehen: Von einer harmonischen Stabübergabe reden die Angestellten genauso wie die Künstler. Beide Festspielleiterinnen sind sehr präsent im Haus, auch bei den Proben – ein wichtiger Faktor im Bayreuther Saisonbetrieb.
Eine frische Corporate Identity – alles so schön brombeerfarben auf ...
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Opernwelt September/Oktober 2009
Rubrik: Festspiele, Seite 14
von Claus Ambrosius,Stephan Mösch
In seiner Schrift «Werk und Wiedergabe» von 1929 schimpfte Hans Pfitzner gegen gewissenlose «Spielleiter», die den Geist der «Meisterwerke» verfälschen würden. Es gebe eine klare Hierarchie zwischen schaffenden und nachschaffenden Künstlern; ein «schöpferischer Interpret» sei ein Widerspruch in sich selbst. Das Schlagwort hieß damals «Klassikertod». Einige Jahre...
Herbstlaub, Asche, Staub. Acht betongraue Himmelstürme ragen in den Schnürboden. Bleischwer ist die Luft, von den Klagelauten aus den Büchern Jesaja und Jeremia und vom Gehämmer der Trümmerfrauen. Alles schmeckt hier nach Apokalypse, nach Endzeit – die Sprache, die Geräusche, die Musik, der Raum. «Am Anfang» hat Anselm Kiefer seine Installation für die Pariser...
Dass «Der fliegende Holländer» erst ab 1901 in Bayreuth gespielt wurde, ist kein Zufall. Wagner wollte das, was er als Entwicklung von der Oper zum Musikdrama erstrebt und erkämpft hatte, keineswegs zurückdrehen. Als Nummernoper hatte der «Holländer» wenig mit dem später avisierten Gesamtkunstwerk zu tun. Wenn Wagner mehr Zeit geblieben wäre, hätte er alle seine...
