Alles offen, viel Metall
Im Barocktheater war alles ganz einfach: Man spielte in festen Bühnenbildern, mehrfach gestaffelten Prospekten aus Holz. Veränderte Schauplätze wurden durch Umgruppierungen dieser Elemente erzielt, zudem garantierte der «arco scenico», also die gebogene Struktur über dem Bühnenportal, als «natürlicher» Reflektor gute akustische Verhältnisse für das, was auf den Brettern gesungen wurde.
Noch mehr Resonanzräume öffneten sich, wenn – wie etwa im Markgräflichen Opernhaus von Bayreuth oder im Teatro sociale von Bergamo – zum Schrecken heutiger Brandschutzbeauftragter auch im Zuschauerraum vorwiegend Holz verbaut worden war. Aus den letzten Jahren gibt es zahlreiche Veröffentlichungen italienischer Denkmalschützer, die historische Theatergebäude genau vermessen haben, um den Geheimnissen gelungener Raumakustik auf die Spur zu kommen.
Als Zuschauer lieben wir es freilich – nicht erst heute – gern abstrakt, aus guten ästhetischen Gründen. Weit in die Tiefe geöffnete Bühnenbilder mit wenigen Metallelementen auf der Seite sind keine Seltenheit. Zwar geben Lehrbücher für den Bau von Fernsehstudios Anweisungen, welche Materialien akustisch vorteilhaft sind. Für die Ausarbeitung von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Einspruch aus dem Elfenbeinturm, Seite 75
von Anselm Gerhard
Hatte sie schon etwas geahnt? Die Gegenwart des Todes gespürt? Als Stella Doufexis im Mai 2011 Hector Berlioz’ sonnenbronzene Orchesterlieder «Les nuits d’été» aufnahm, stand sie mitten im Leben. Doch aus dem ranken Körper strömten Töne von so tief empfundener, herbsüßer Melancholie, dass einem beim Wiederhören Tränen in die Augen schießen. Jetzt, nachdem sie gehen...
Mit dem Schlagwort «Jahrhundertfigur» sollte man behutsam umgehen. Trotzdem fällt es schwer, bei Pierre Boulez nicht der Assoziation zu verfallen, hat er doch seit den 40er-Jahren vielfältig die Musikkultur beeinflusst, vorangetrieben, Ideal und Wirklichkeit auch politisch in Bewegung versetzt. Doch zur Galionsfigur taugt er nicht, hat dies sogar einmal...
Als Goethe 1824 «Tancredi», Rossinis ersten Welterfolg, in Weimar sah, störte er sich an der «hohlen Prätention einer heroischen Oper»: «Wenn nur keine Helme, Harnische, Waffen und Trophäen auf dem Theater erschienen wären»! Was Cordula Däuper jetzt in Mannheim mit dem selten gespielten Stück angestellt hat, hätte Goethe wohl gefallen. Sie vertraut dem...
