Alles Leid der Welt
Ein Raunen geht durchs Publikum, als sich der Vorhang hebt. In historischen Gewändern aus guter alter Zarenzeit stehen da Mütterchen und Väterchen, Reiche und Arme, ein Mädchen mit rotem Kopftuch; Angst und Schrecken sind ihnen ins Gesicht geschrieben. Dahinter in strahlendem Licht die riesige Replik eines Ölgemäldes von Wassili Surikow: der Rote Platz im Augenblick vor der Massenhinrichtung der Moskauer Strelizen-Armee auf Befehl Zar Peters des Großen.
Ausstattungstheater vom Feinsten also? Wenn da nicht rechts und links des Bildes die nüchtern-weißen Wände wären.
Noch bevor die ersten Soldaten zu singen beginnen, streifen die Sänger ihre historischen Kostüme ab und zeigen sich als Menschen von heute, in Jeans, Büroanzügen und Kostümchen; nur ein Holzkarren und ein totes Pferd bleiben zurück. Da hat sich Johannes Leiackers atemraubende Bühne längst ins Bildgedächtnis eingegraben: Von nun an ahnt man die Vergangenheit auch ohne entsprechende Ausstattung.
Zumal das Nederlands Philharmonisch Orkest unter Ingo Metzmacher einen historischen Klangraum assoziiert, einen, in dem der Sonnenaufgang noch als wundersame Verwandlung erzählt werden konnte. Fast impressionistisch leuchtet ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Christoph Schmitz
Zangezi» ist so etwas wie das Opus summum des russischen Futuristen Velimir Chlebnikov (1885-1922). Ein als Drama konzipierter, im Grunde aber epischer Text, in dem er die fundamentalen Themen seines Schreibens zur Synthese zu führen sucht: Der Prophet «Zangezi» ist ein Alter Ego des Autors, die ihm in den Mund gelegten Spekulationen – etwa über die nach...
Neben der Musikgeschichte der klingenden Tatsachen und ihrer Wirkungen gibt es auch eine «Möglichkeitsgeschichte» des zufällig oder aus innerer Logik nicht zustande Gekommenen. Was, um nur ein Beispiel anzuführen, wenn Wagner sich noch zu einer «Buddha»-Bühnenlegende entschlossen hätte, einer mildfarben westöstlichen Serenität jenseits des «Parsifal»? Vieles blieb...
Das Gezerre um die Zukunft geht in die nächste Runde. Und es deutet alles darauf hin, dass Sewan Latchinian, der streitbare Intendant des Volkstheaters Rostock, seinen Kampf um die Erhaltung aller vier Sparten verloren hat. Bürgermeister Roland Methling (parteilos) und Mecklenburg-Vorpommerns SPD-Kulturminister Mathias Brodkorb haben sich durchgesetzt: Schauspiel...
