Alles auf Neustart?
Ein maroder Theaterinnenraum aus dem bürgerlichen 19. Jahrhundert. 935 Nutzungseinheiten soll er nach dem Umbau hergeben, gigantische Einnahmen durch Verpachtung und Vermietung bringen. Das rechnet die Immobilienmaklerin dem Regisseur auf der Bühne vor und erklärt, bevor die Bautrupps mit der Abrissbirne anrücken: «Hier wird nicht mehr probiert, hier wird gemacht.
»
Das würde ein gutes Motto für Vera Nemirovas Interpretation von Peter Ruzickas und Peter Mussbachs «Hölderlin»-Oper abgeben, die seit der von einem Eklat um das Leitungsteam begleiteten Berliner Uraufführung 2008 (siehe OW 1/2009) nicht mehr nachgespielt wurde. Die Regisseurin muss wohl gespürt haben, dass der Mangel an narrativen Strukturen des aus Hölderlin-Zitaten und profanem Gegenwartsvokabular gemixten Stücks nach einer neuen Idee für die Bühne verlangt: Die Theater-Metapher, die auch das Scheitern Hölderlins an seiner Zeit aufgreift, ist so stark, dass sie die Vorlage zu ersticken droht. Zumal die Regie ins Ironische, stellenweise sogar in Richtung Klamauk steuert. Indem Nemirova den Konflikt der um ihre Daseinsberechtigung kämpfenden Künstler mit der kapitalistischen Profitlogik schildert, führt sie das Theater ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Alexander Dick
Jubilare
Peter Schreier kam 1935 als Sohn eines Kantors und Lehrers in Meißen zur Welt. Als Mitglied des Dresdner Kreuzchores wurden ihm bereits früh Alt-Solopartien übertragen. Nach dem Stimmbruch begann er, sich die Tenorpartien in Bachs Passionen und Kantaten zu erobern, mit denen sein Name bis heute verbunden ist. Nach dem Abitur studierte er an der Dresdner...
Ist’s nun eine Hommage an das realistische Musiktheater? Oder doch eher Bühnensymbolismus? Oder wird hier Büchners und Bergs harter Sozialrealismus mehr oder weniger mutwillig gegen den Strich gebürstet? Um es gleich zu sagen: Der «Wozzeck» an der Opéra de Dijon ist ein großer, ein großartiger Abend geworden. Weil die Regisseurin Sandrine Anglade, bekannt für ihre...
Während man sich in Mailands Messe-Pavillons seit der Eröffnung der Weltausstellung Expo 2015 am 1. Mai dem globalen Thema «Welternährung» widmet, erwies man zur Saisoneröffnung an der Scala am selben Abend mit einer Wiederbelebung der «Turandot»-Inszenierung von Nikolaus Lehnhoff (2002) neben Puccini zwei weiteren nationalen Musikgrößen Reverenz: Luciano Berio,...
