Albtraumhaft verdichtet
Durchs Haus heult der Wind, es klappert und knackt, fernes Maschinengrummeln ertönt, die Glocken rufen zur Andacht. Eine solche Klangkulisse kreiert der italienische Komponist Francesco Filidei für sein neues, an der Opéra Comique in Paris uraufgeführtes Musiktheater «L’Inondation». Das Libretto Joël Pommerats, der auch für die Regie verantwortlich zeichnet, basiert auf der Erzählung «Das Hochwasser» des russischen Dichters Jewgeni Samjatin, der Librettist für Schostakowitschs «Nase» war, bei Stalin in Ungnade fiel und nach Paris emigrierte, wo er 1937 starb.
Wie sein bekanntester Roman «Wir», so ist auch «Das Hochwasser» eine verschleierte Abrechnung mit den nicht erfüllten Versprechungen der sozialistischen Utopie.
Eine Frau, namenlos wie alle Protagonisten, verliebt sich sterblich in einen zur Untermiete wohnenden Fabrikarbeiter. Als der Vater des Nachbarkindes stirbt, nimmt das Paar die Kleine auf. Das pubertierende Gör wird langsam zum Eindringling, die Beziehung zum (wesentlich älteren) Mann lädt sich erotisch auf. Nachdem ein Hochwasser die Wohnung verwüstet hat und das Paar vorübergehend bei den Nachbarn im oberen Stock untergekommen ist, verschwindet das junge Mädchen. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Bernd Künzig
Immer wieder diese Bilder, schwarzweiß: Ein junges Paar in der Küche, er liebkost sie, aus Zärtlichkeit wird nach und nach Gewalt, er drückt sie auf den Boden, will in sie eindringen, sie zieht ein Küchenmesser ... Nicola Raab reichert ihre Straßburger «Rusalka»-Deutung fortwährend mit projizierten Wasser-, Wald- und Wolken-Motiven an (Video: Martin Andersson)....
Schon sein erster Ausflug ins Reich der Operette war ein Riesenerfolg. Das 2014 veröffentlichte Album «Du bist die Welt für mich» verkaufte sich 215 000-mal. Weil sich Jonas Kaufmann auf die Jahre 1925 bis 1935 beschränkte, also auf die bronzene Ära des Genres, hatte Sony damals vor allem den deutschsprachigen Markt im Blick. Jetzt aber ist die ganze Welt die...
In der Berliner Staatsoper sieht man fast nur noch belanglos-dekorative Produktionen. Im Alten Orchesterprobensaal dagegen, Ort für kleinere Projekte, schießt man oft übers Ziel hinaus: Hier wird auf eine Weise experimentiert, dass man sich vor allem mit Rätseln konfrontiert sieht, mit einem Überschuss an Absichten, die szenisch selten genügend Schlagkraft...
