Affekt und Schönklang
Es ist ein gewaltiger Sprung, den sich Agneta Eichenholz mit ihrer Alcina zutraut: Von der Lulu, mit der sie vor knapp zwei Jahren an Covent Garden den internationalen Durchbruch feierte, zu Händels Zauberin zu wechseln, heißt vom Opfer zur Täterin werden, von der Kindfrau zum männerverzehrenden Vamp.
Dass die Schwedin auch das Format für die reife Femme fatale hat, wird bei ihrem Rollendebüt an Göteborgs Oper bald klar: Schon was die Expansionsfähigkeit ihres leicht metallischen Soprans angeht, ragt Eichenholz aus dem Ensemble und wächst mit ihren beiden großen Arien «Ah, mio cor» und «Ombre pallide» zu tragischem Heroinen-Format. Dass Eichenholz keine genuine Barock-Sängerin ist und beispielsweise ein Triller bei ihr kaum anders klingt als ein Vibrato, stört eher am Rande – eine spannungsvollere Artikulation des Textes, der mit Worten wie «tradito» und «schernito» schließlich dramatische Steilvorlagen en masse bietet, wird sich hoffentlich im Laufe der Aufführungen entwickeln.
Wie viele skandinavische Häuser versucht auch Göteborg, seine Produktionen mit heimischen Kräften zu besetzen. In Schweden funktioniert das angesichts einer ausgezeichneten Ausbildung, die immer wieder ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Jörg Königsdorf
I
Direkt am Kap der Guten Hoffung ist nicht viel zu sehen. Man steht im Windschatten eines unscheinbaren Felsenfingers. Touristen knipsen sich gegenseitig nach dem bewährten «Take your picture here»-Hinweis. Ein paar Meter entfernt schnüffeln zerzauste Strauße nach Gräsern und fressbaren Steinen, mit denen sie ihre Verdauung anregen. Wesentlich spektakulärer sieht...
«Soeben gelesen. Bravo, Bravissimo» – in diesen Ruf dürfte der Leser ausbrechen, der Fabian Kerns Dissertation über die Beziehungen der Coburger Theatermalerfamilie Brückner zu den Bayreuther Festspielen von 1876 bis 1914 gelesen hat. Das mit vielen Erstveröffentlichungen reich bebilderte Buch zeigt, dass geduldiges Quellenstudium noch viele unbekannte wie wichtige...
Dieser Platz trägt seinen Namen zu Recht: Stille herrscht auf dem Friedensplatz vor dem Anhaltischen Theater. Die gleiche Stille, die inzwischen in so vielen ostdeutschen Klein- und Mittelstädten zur Regel geworden ist. Auch Dessau ist zu groß für diejenigen, die geblieben und nicht nach Bayern oder Baden-Württemberg abgewandert sind. Abends belebt sich der Platz,...
