Ärgernis des Jahres
Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin: So lautet nicht nur alljährlich der freudetrunkene FanGesang all jener Fußballanhänger, die dem Pokalendspiel entgegenfiebern. Auch als Kulturmetropole steht die bundesdeutsche Kapitale hoch im Kurs – und zwar weltweit. Davon profitieren nicht zuletzt die drei Berliner Opern. Dass der Bund den Großteil der Sanierungskosten für die Staatsoper übernommen und das Land Berlin den Etat aller drei Häuser aufgestockt hat, sind ermutigende Zeichen.
Den Alltag freilich bestimmen nach wie vor der Dauerstreit um die Verteilung der Gelder und die Egoismen der künstlerisch Verantwortlichen. Die Stiftung Oper in Berlin, ursprünglich als Forum für eine gemeinsam abgestimmte Gestaltung der Zukunft gegründet, ist zur Bedeutungslosigkeit degradiert. Ein Trauerspiel. Dass Berlins Musiktheater mehr zu bieten haben als die einmal mehr als Ärgernis des Jahres benannten Krisensymptome, ist unbestritten (siehe Seiten 32, 44 und 108). Eine Chance, im Konzert der führenden Opernmetropolen wieder mitzuspielen, hätte Berlin freilich nur dann, wenn alle Akteure sich endlich als Teil eines Ganzen verstünden.
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