Abstieg in Rosa
«Madama Butterfly» ist immer wieder Sentimentalität vorgeworfen worden. Ein rezeptionsgeschichtliches Missverständnis? Bei der Mailänder Uraufführung 1904 zumindest wurde das Werk keineswegs als exotisches Rührstück wahrgenommen, sondern als Provokation. Die Premiere bescherte Puccini ein Desaster, es kam ob der deutlich formulierten, massiven Sozial- und Kolonialismuskritik zu Tumulten. Erst eine entschärfte Fassung ebnete der «Butterfly» den Weg ins Repertoire.
Die Titelheldin ist von den großen Frauenfiguren Puccinis die wohl tragischste und die Geschichte ihres Niedergangs durch enttäuschte Hoffnung vor dem Hintergrund eines interkulturellen Konflikts noch immer oder schon wieder hoch brisant.
Regisseur Tilman Knabe verlegt die Geschichte von Cio-Cio-Sans nicht nur fremd verschuldetem Schicksal aus dem Nagasaki des 19. Jahrhunderts in die asiatische Gegenwart. Cio-Cio-Sans Häuschen ist ein klappriger, aber zunächst noch puristisch edel möblierter Container. Kuppler Goro trägt Ballonseide und Gel im Haar; Liebhaber Pinkerton Jeans, Sonnenbrille und Cowboystiefel. Cio-Cio-Sans Verwandtschaft ist eine krawallig lärmende Truppe, die Frauen sind vorzugsweise im aufreizenden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Regine Müller
Francis Poulencs Oper «Dialogues des Carmélites», die 1957 bei ihrer Erstaufführung in Köln von der Kritik verständnislos aufgenommen wurde, macht gegenwärtig die Runde an deutschsprachigen Bühnen. Mit dem gebührenden historischen Abstand nimmt man endlich auch hierzulande wahr, dass es sich um ein musikalisches Meisterwerk handelt. Nur vordergründig geht es um das...
Herr Valentine, Sie haben mit Ihrer Dauerpräsenz im Musiktheater quasi ein neues Fach kreiert: den Opernschauspieler.
Ich halte nichts von solchen Etiketten. Mir geht es darum, am Rand zu bleiben. Für Schauspieler ist es immer gut, Distanz zu wahren.
Empfinden Sie es als Vorteil, nicht im Opernsinne singen zu können?
Für mich ist Sprache Musik. Das kann man gar nicht...
Zwei Puccini-Inszenierungen aus New York und Amsterdam, die jetzt auf DVD vorliegen, bringen den Komponisten, der oft genug ans Rampen- oder Konzeptionstheater verraten wird, als einen der zentralen Musikdramatiker des frühen 20. Jahrhunderts zur Kenntlichkeit. Zwei Regisseure, die genau lesen können, haben ihre Hausaufgaben gründlich gemacht. Ungewöhnlich ist die...
