Abgrund Mensch
Über dieser Premiere hingen dunkle Wolken. Intendant Albrecht Puhlmann und der ursprünglich vorgesehene Regisseur David Alden hatten sich bei Probenbeginn so zerstritten, dass Alden das Stück zurückgab. Puhlmann gelang es, Calixto Bieito zu gewinnen, der «Jenufa» noch nie inszeniert hatte, mehr oder weniger die Bühnenbild- und Kostümentwürfe seines Vorgängers übernehmen musste und dem für dieses Himmelfahrtskommando ganze drei Probenwochen blieben, um ein in aller Eile gefundenes Konzept durchzuziehen.
Es spricht für Bieitos handwerkliche Professionalität, aber auch für seine künstlerische Motivationsfähigkeit, dass aus der Notlösung ein über weite Strecken überzeugender, ja faszinierender Theaterabend wurde.
Die von Susanne Gschwender überarbeitete Bühne Gideon Daveys verlegte die im bäuerlichen Milieu spielende Handlung in einen mährischen Textilbetrieb, in dem die Rückständigkeit des Postkommunismus und die Segnungen des Turbokapitalismus krass aufeinanderstoßen. Das machte mit der schäbigen Industrieruine, in der die ersten beiden Akte situiert waren, durchaus Sinn. Es führte im dritten Akt mit den in der neuen Textilmanufaktur steril vor ihre Nähmaschinen platzierten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Man kann das Technische, das Vokalartistische dieser prachtvoll strömenden, des pathetischen wie des zartesten Ausdrucks mächtigen Baritonstimme beschreiben, ihre Feinheit, lyrische Verinnerlichung und männliche Ausdruckskraft, ihre wunderbare Modulationsfähigkeit und vergeistigte Schlichtheit – das alles würde nicht ausreichen, die unvergleichlich tiefe Wirkung...
Manchmal erscheint der Opernbetrieb rätselhaft. Da existiert ein wahrhaft operntheatralisches Werk – heftige Leidenschaften, Hysterie bis zum Wahnsinn, pralle Figuren, eine vehement mitreißende Musik von erstaunlicher Ausdruckspalette – und dann wird dieses Werk höchst selten gespielt. Warum? Vielleicht hat es Prokofjew mit seinem «Feurigen Engel» doch zu toll...
Dieser 28. Dezember 1959 ging durch die Weltpresse: Birgit Nilsson verbrauchte als Isolde an der Met drei Tristane, in jedem Akt einen. Dass dahinter wohl eher ein geplanter Coup des in Sachen Public Relations erfahrenen Rudolf Bing stand als eine zwingende Notwendigkeit, enthüllte Karl Liebl, der damals den Tenorhelden des Mittelaktes gesungen hatte, später in...
