Abgeschminkt
Ernst Kreneks «Jonny spielt auf» ist eine Art Legende der Operngeschichte. Weniger wegen des sensationellen Erfolgs, den das Werk nach der Uraufführung 1927 hatte, als aufgrund des Umstands, dass die Titelfigur, der schwarze Jazzmusiker Jonny, den Nazis als Signet für ihren Vernichtungsfeldzug gegen «entartete Musik» diente. Seither ist die Oper in aller Munde, aber kaum jemand hat sie zu Gesicht bekommen – wie die meisten Legenden. Ganze vier Produktionen stehen in den letzten zehn Jahren zu Buche.
Das Pfalztheater Kaiserslautern bietet nun Gelegenheit zum Wiedersehen mit einem effektvollen Opernspektakel, das ahnen lässt, warum «Jonny» kurz nach der Uraufführung an siebzig Häusern gespielt wurde. Krenek hat den Zeitgeist der zwanziger Jahre eingefangen, flott, kurzlebig und im Patchwork-Muster. Er kreuzt dick aufgetragene, leicht ironisierte deutsche Romantik mit Bigband-Revueklängen und – besonders im zweiten Teil – kleinen, einfühlsamen musikalischen Stimmungsbildern. Das Orchester unter GMD Uwe Sandner entstellt das Pathos zur Kenntlichkeit, swingt schmissig und sorgt für kraftvolle Spannungsbögen, vor allem, wenn es auf den kuriosesten aller Operntode zugeht: Einer der ...
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Ursula Nusser: Herr Mösch, stehen wir vor einer Karajan-Renaissance?
Stephan Mösch: Das würde ich nicht sagen. Solche Jubiläen haben ja immer viel mit medialem Geklingel zu tun. Ich denke, es ist wichtig, Karajan aus dem Abstand heraus zu sehen. Wir brauchen zu diesem hundertsten Geburtstag weder eine Verherrlichung noch eine Verdammung oder Verachtung Karajans....
Es gerät leicht in Vergessenheit, dass die Titelpartie von Richard Strauss’ «Elektra» nicht nur ein Vehikel für hochdramatische Soprane ist, sondern zu mindestens fünfzig Prozent aus lyrischen Passagen besteht. Nicht nur die durchdringenden «Agamemnon»-Rufe, sondern auch die zaghaft aufblühende Hoffnung der Orest-Szene prägen den Charakter der Atriden-Prinzessin,...
Seit Anfang des Jahres fixierten in der Londoner Untergrundbahn zwei auffällige Augenpaare eilige Hauptstädter und schlenzende Touristen: zwei Bilder, zwei Mädchen, kaum Frauen schon. Eine Lolita, mit lasziv halb geschlossenen Augen, vollroten Lippen machte herausfordernd Werbung für die neue «Salome» an der Royal Opera; ein selbstbewusst-traurig den Betrachter...
