389 Millionen
Dass die Berliner Lindenoper und das Theaterensemble am Kölner Offenbachplatz dringend saniert werden mussten, steht außer Frage. Eine neue Konzerthalle für Hamburg – auch sie war überfällig. Und niemand wird bestreiten, dass es bei den maroden Gebäuden der Städtischen Bühnen in Frankfurt und Augsburg akuten Handlungsbedarf gibt. Wenn diesmal vorwiegend Kulturbaustellen als «Ärgernis des Jahres» genannt werden, so zielt der Unmut auf die fahrlässige Planung und Steuerung solcher Großprojekte. Die Folge: Chaos und explodierende Kosten.
Wir dokumentieren die eklatantesten Problemfälle: Staatsoper Berlin, Oper Köln und Elbphilharmonie Hamburg. Stationen einer Chronique scandaleuse.
Kurz nach der Jahrtausendwende wird der Staatsoper fast die Betriebserlaubnis entzogen – wegen drastischer baulicher Mängel. Ein Gutachten des TÜV kommt zu dem Ergebnis, dass bestimmte Teile der Bühnentechnik nicht mehr eingesetzt werden dürfen. Ein Hubpodium war unerwartet in die Tiefe gefahren. Zum Glück stand niemand auf der Bühne. Einen Tag später wäre der Männerchor im «Tannhäuser» mit hinabgerauscht. Die Folge: Einige Aufführungen können teilweise nur konzertant stattfinden. Hermann-Josef Pohlmann ...
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Opernwelt Jahrbuch 2016
Rubrik: Chronique scandaleuse, Seite 56
von Kerstin Krupp
Am 6. Juli 2016 erschien auf der Facebook-Seite von Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz ein Foto. Er spielzeugklein, als Scherenschnitt am hochgebirgigen, wellenförmig geschwungenen Dachhorizont der Elbphilharmonie, darüber nur noch der Himmel. Der Bild-Kommentar: «Schöne Aussichten». In diesem Moment, knapp 100 Meter über dem Boden der Hansestadt, dürfte...
Eine «glänzende Charakterstudie» lieferte Matthias Klink nicht nur als «verklemmt-arroganter» Dichter in Philippe Boesmans’ Schnitzler-Oper «Reigen» (auf dem Foto mit
Melanie Diener; OW 6/2016). An seinem Stuttgarter Stammhaus gab er in Strauss’ «Salome» einen Herodes von zwingender Intensität: ausgefeilt das Spiel, klangschön, deklamatorisch, «ohne...
Im Jahr 2013, da war die Komische Oper Berlin für ihre erste Saison unter seiner Leitung gerade zum «Haus des Jahres» gewählt worden, sagte Barrie Kosky im Interview mit dieser Zeitschrift, auf der Bühne müsse «nicht immer alles bunt oder schrill sein», es stimme keineswegs, dass «überall Pailletten funkeln» und «Lederkerle herumlaufen» müssten: Die deutsche...
