«Verdammt zum grässlichsten der Lose»
Bei einem so viel gespielten Werk des Repertoires wie Wagners «Fliegendem Holländer» muss es jedem Regisseur schwerfallen, einen radikal neuen Zugang zu finden. Nach dreißig Jahren Regietheater scheint die ganze Bandbreite zwischen gesellschaftskritischer Dekonstruktion und synkretistisch aufgepäppelter Vodoo-Bilderwelt, zwischen plattem Realismus und traumatischer Seelenanalyse ausgeschritten.
Man durfte darum mit Recht gespannt sein, wie zwei Neuproduktionen, die im Abstand von einer Woche im Festspielhaus Baden-Baden und an der Staatsoper Stuttgart herauskamen, sich aus dem Dilemma ziehen würden.
Unterschiedlich, ja geradezu konträr fiel schon das Bild aus, mit dem die Zuschauer zum entfesselten Ouvertüren-Auftakt eingeschworen wurden. In Baden-Baden türmte sich auf dem Zwischenvorhang optisch ins Überdimensionale vergrößert Caspar David Friedrichs berühmtes Schiffsgemälde der im Eis gescheiterten «Hoffnung» – ein Schlag mit dem symbolischen Holzhammer, der sich schnell als einer ins Leere erweisen sollte. Anders Calixto Bieito, der in Stuttgart zeigt, wie Senta hinter einer riesigen Glaswand vom Schatten ihres geldgierigen Vaters erst gestreichelt, dann niedergeschlagen und ...
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